Und die Bibel hat doch recht

Erasmus Froelich, Annales compendiarii regum et rerum Syriae: numis veteris illustrat.

Gedruckt bei Kaliwoda in Wien 1744

„Und die Bibel hat doch recht“ so hieß ein im Jahr 1955 veröffentlichtes Buch. Sein Autor wollte nachweisen, dass mit Hilfe der Archäologie der ultimative Beweis für die Wahrheit der in der Bibel geschilderten Vorkommnisse erbracht werden könne. Auch wenn man über die darin vorgebrachten Thesen unterschiedlicher Meinung sein kann, das Buch war ein Erfolg. Es wurde in 20 Sprachen übersetzt und erschien in mehreren Millionen Exemplaren. Für Autor und Verlag also ein Bombenerfolg!

Ein Grund für die weite Verbreitung des Buches könnte sein, dass sich die Menschen seit der Zeit der Aufklärung immer wieder fragten und fragen, ob man nicht moderne Forschung und Glauben unter einen Hut bekommen könne. Einer von denen, die das bereits im 18. Jahrhundert versuchten, war der Jesuit Erasmus Froelich.

Die Jesuitenkirche in Wien wird wegen der engen Verbindung dieses Ordens mit der Lehre heute auch als Universitätskirche bezeichnet. Foto: Georges Jansoone. CC-BY 3.0.

Warum so viele talentierte Jungs dem Jesuiten-Orden beitraten

Erasmus Froelich wurde 1700 in Graz geboren. Wir wissen nichts über seine Eltern, außer dass sie anscheinend nichts dagegen hatten, dass ihr 16jähriger Sohn dem Orden der Jesuiten beitrat. Dies war damals keine ungewöhnliche Entscheidung für einen intelligenten jungen Mann, der kein Geld, dafür aber mehr Verstand hatte, als er im väterlichen Geschäft brauchen konnte. Um eine akademische Bildung zu erwerben, musste man nämlich noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts entweder das Geld für ein Studium besitzen, einen reichen Förderer finden oder einem Orden beitreten und diesem ein Leben lang dienen.

Dies tat Erasmus Froelich. Er entschied sich für die Jesuiten, die dafür bekannt waren, dass sie Bildung – und zwar gleich welcher Art – wirklich zu schätzen wussten. Er absolvierte ein Studium der Mathematik, der Theologie und der hebräischen Sprache, um danach als Lehrer zu agieren.

1746 berief ihn Maria Theresia an das gerade erst von ihr gegründete Theresianum, ein Gymnasium, das es mittellosen Jungen ermöglichen sollte, eine höhere Bildung zu erwerben, und zwar ohne ihr Leben einem katholischen Orden weihen zu müssen.

Kaiser Franz Stephan mit seiner Mineraliensammlung. Im Hintergrund bringt Valentin Jamerai Duval eine Auswahl von Medaillen zum Studium. Duval war ein Kollege von Froelich, mit dem zusammen er den ersten Katalog der kaiserlichen Münzsammlung erarbeitete. Foto: KW.

Maria Theresia kannte Froelich zu diesem Zeitpunkt bereits persönlich. Er teilte das Hobby ihres Mannes Franz Stephan. Die Monarchin hatte den Jesuitenpater sicher oft im Gespräch mit ihrem Gatten getroffen, wenn der bei einem erholsamen Schwatz über die Feinheiten der Numismatik die Work-Life-Balance nach den anstrengenden Pflichten der Regierung wieder ins Gleichgewicht brachte. Froelich organisierte auf Anweisung des Kaisers die Neuordnung und Neuaufstellung des k.k. Münzkabinetts, das 1750 in die Schatzkammer im Schweizerhof umgezogen wurde. Er bestimmte die Münzen zusammen mit zwei Kollegen und veröffentlichte mit ihnen das erste gedruckte Verzeichnis des gesamten Münzbestands mit 150 Abbildungstafeln.

Die Makkabäerbücher – echt oder falsch?

Man fragt sich wirklich, wann Froelich neben seinen umfassenden Pflichten noch die Zeit fand, sein opus magnus in Angriff zu nehmen, seine Annalen der syrischen Könige, vom Tod Alexanders des Großen bis hin zur Ankunft des Gnaeus Pompeius in Syrien.

Es handelte sich dabei um weit mehr als einen Katalog von Münzen resp. ein Sammlungsinventar, wie wir sie aus dem 18. Jahrhundert in großen Mengen besitzen. Froelich stellte sich eine konkrete Frage, die er mit Hilfe der Münzen beantworten wollte, nämlich ob die für apokryph gehaltenen Bücher der Makkabäer echt oder falsch seien.

Die vier Bücher schildern die Ereignisse des Makkabäeraufstands, als streng gläubige Juden sich gegen den syrischen König Antiochos IV. erhoben. Sie sind zentral für die Geschichte des Judentums, da in Buch 2 eines der wichtigsten Feste der jüdischen Gemeinschaft begründet wird, das Chanukkafest. Es geht auf die Wiedereinweihung des Tempels zurück, nachdem die Truppen des Judas Makkabäus die Kontrolle über Jerusalem zurückgewonnen haben. Doch damit ist die kriegerische Auseinandersetzung noch nicht beendet. Buch 3 und 4 schildern, wie es danach weiterging.

Die Makkabäerbücher gehören zu den vielen Schriften, bei denen die Gelehrten sich nicht einigen konnten, ob sie nun heiliges Wort waren oder nicht. Während die in Alexandria zusammengetragene Fassung der Bibel, die Septuaginta, alle vier Bücher der Makkabäer aufnahm, verzichtete die Vulgata auf das 3. und das 4. Buch. Die Katholiken folgten der Vulgata und erklärten das 1. und das 2. Buch für kanonisch. Die Reformatoren entsorgten für ihre Version der Bibel gleich alle Schriften.

Das ist eigentlich schade – zumindest aus der Sicht des Historikers, denn wenn die Bücher auch lange nach den darin geschilderten Geschehnissen entstanden (wie übrigens alle in der Bibel zusammengefassten Bücher), rezipierte die hebräische Urquelle einige sehr zuverlässige Texte.

Wer sich nun in der seleukidischen Geschichte auskannte, kam nicht umhin zu bemerken, wie historisch zuverlässig die Makkabäerbücher waren. Und Erasmus Froelich kannte sich aus. Er hatte Theologie studiert und las selbstverständlich genauso flüssig griechische, lateinische und hebräische Texte. Dazu hatte er das Zeugnis der Münzen, und hier sah er eine Chance, seinen Lesern nachzuweisen, dass die Makkabäerbücher „echt“ seien, also Teil der biblischen Überlieferung sein müssten.

Münzen als historische Quelle

Zu diesem Zweck erstellte Froelich als Kernstück seiner Arbeit die Annalen der Könige von Syrien. Er listete, nach Jahren geordnet, die aus der Literatur bekannten Ereignisse ihrer Geschichte auf. Auf einer Seite finden sich die Ereignisse, geordnet nach der christlichen Ära, nach dem julianischen Kalender angereichert mit der Datierung nach der seleukidischen Ära und der Olympiadenrechnung. Auf der anderen Seite sind die Münzen abgebildet, die dank ihrer Datierung nach der seleukidischen Zeitrechnung alle einem festen Datum zugeordnet werden können.

Die durch diese Gegenüberstellung abgesicherten Daten nutzte Froelich dazu, zu argumentieren, dass das erste und das zweite Makkabäerbuch, das sich im katholischen Bibeltext fand, historisch zutreffend, echt und damit göttlich inspiriert sein müsse.

Ein Werk, das nur mit der Welt untergehen wird

Natürlich war die katholische Welt begeistert! Die gebildeten Männer des Glaubens waren nur zu gewohnt, sich gegenüber ihren von der Aufklärung begeisterten Standesgenossen verteidigen zu müssen! Nur ein knappes Jahrzehnt nach der Veröffentlichung dieses Buches sollten die Verfolgungen der Jesuiten zum (vorläufigen) Verbot dieses Ordens führen. Und da gab es nun diesen brillanten Wissenschaftler, der nach den neuesten Methoden nachweisen konnte, dass die Bücher der Bibel nicht frommes Geschwätz, sondern historisch korrekte Information boten!

Noch 1830 zitierte die Neue theologische Zeitschrift ausführlich aus einer nach der Publikation des Werks erschienen Rezension. Dort wird das Buch als ein Werk bezeichnet, „das nur mit der Welt untergehen wird“.

Man wird wenig überrascht sein, dass die protestantische Welt, obwohl niemand die großartige wissenschaftliche Leistung, die hinter dieser Arbeit stand, bestreiten konnte, zu einem anderen Ergebnis kam. Schließlich fehlten die Makkabäerbücher in ihrer Bibel. Und deshalb mussten sie natürlich nicht von Gott inspiriert sein. So das Urteil des (Protestanten) Ernst Friedrich Wernsdorf, der in Leipzig eine Professur für christliche Archäologie bekleidete. Darunter verstand man damals noch nicht die Tätigkeit des Ausgrabens, sondern die Beschäftigung mit christlichen Altertümern.

Jede Zeit schreibt sich ihre eigene Geschichte

Bei all seiner wissenschaftlichen Brillanz, hatte der Numismatiker und Historiker Erasmus Froelich übersehen, dass Münzen und Fakten zwar Tatsachen rekonstruieren, aber keinen Glauben beweisen können. Dass ein Ereignis tatsächlich stattgefunden hat, sagt noch nichts über seine Deutung.

Mit anderen Worten: Auch wenn uns die Archäologie und unzählige Quellen unwiderlegbar beweisen, dass es eine große Flut gegeben hat, wird eines immer eine Frage des Glaubens bleiben, warum sie gekommen ist und warum die einen überlebten, die anderen starben.

Fragen des Glaubens kann man eben nicht auf Grund von Tatsachen diskutieren. Sonst würde es sich nicht um Glauben, sondern um Wissen handeln.

 

Zum Weiterlesen

Wenn Sie selbst einen Blick in das Buch tun wollen, können Sie hier Froelichs Annalen abrufen.

Auch wenn diese Biographie Froelichs aus dem Jahr 1830 stammt, ist sie durchaus lesenswert.

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