Georg Agricola: Der Vater der Montanwissenschaften

Georgius Agricola, De Re Metallica Libri XII

Gedruckt 1657 in Basel von Emanuel König

Es gibt nur wenige Werke des 16. Jahrhunderts, deren Illustrationen heute noch einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Ungekrönter Spitzenreiter darunter ist Agricolas „De Re Metallica Libri XII“ (12 Bücher über den Bergbau). Der Grund dafür ist, dass kein Fachbuch, kein Museum, in dem die Geschichte des Bergbaus und der Metallgewinnung auch nur Erwähnung findet, darauf verzichtet, die eindrucksvollen Illustrationen zu verwenden.

Zu seiner Zeit bot Agricola eine hervorragende Zusammenfassung des modernsten Wissens über Bergbau, Metalle und Verhüttung. Es verbreitete sich in Europa und weit darüber hinaus: Außer in Deutsch, der Muttersprache des Autors, und in der damaligen Gelehrtensprache Latein wurde es bereits 1563 in italienischer, 1569 in spanischer und 1643 in chinesischer (!) Sprache veröffentlicht. Doch selbst wer keine dieser Sprachen beherrschte, war in der Lage, das Buch zu benutzen. Dank der detaillierten Illustrationen konnte jeder Fachmann die darin abgebildeten Geräte nachbauen und benutzen.

Sehen wir uns also an, was es im 16. Jahrhundert brauchte, um einen Bestseller für Montantechniker zu schreiben.

Der historische Hintergrund

Bevor wir uns mit Leben und Werk des Autors beschäftigen, müssen wir einen Blick auf die historische Situation werfen, in der dieses Buch entstand. Denn die Welt war damals in Bewegung – ökonomisch und politisch. Zentraleuropa bereitete sich vor, zur beherrschenden Region des Globus zu werden, und ein wichtiger Grund dafür waren die reichen Silberfunde in Deutschland, die in klingende Münze ausgeprägt den internationalen Handel und damit die politische Landschaft veränderten.

Bereits seit Mitte des 15. Jahrhunderts förderten die Bergleute von Schwaz so gewaltige Mengen an Silber, dass die Herrscher von Tirol – die Habsburger – den Aufstieg an die Spitze des deutschen Adels schafften. Auch die Herrscher von Sachsen profitierten vom Silberboom: Mit den Städten Freiberg und Annaberg entwickelten sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts äußerst profitable Brennpunkte des Silberbergbaus. Mitte des 16. Jahrhunderts lebten dort mehr Einwohner als in allen anderen Städten des Landes inklusive der Residenz- und Handelszentren wie Dresden oder Leipzig.

Und dann wurde auch noch im benachbarten Böhmen Silber entdeckt: In St. Joachimsthal, heute Jachimov, baute man seit den 1520er Jahren so viel Silber ab, dass die daraus geprägten, nach ihrer Herkunft aus Joachimsthal benannten „Taler“ den Silbermarkt überschwemmten und einem Nominal den Namen gaben, das Weltkarriere machen sollte.

Kurz, Silber war ein hervorragendes Geschäft – für alle, die damit zu tun hatten, und das waren viele. Dank des Bergregals galten die Fürsten als alleinige Besitzer der Bodenschätze. Doch da sie nicht über genügend Kapital verfügten, um den Silberabbau zu finanzieren, sprangen wagemutige Investoren aus der Schicht der Kaufleute in diese Lücke. Sie häuften dabei so große Vermögen an, dass so manche bürgerliche Dynastie es durchaus an Einfluss mit Adligen aufnehmen konnte. Das bekannteste Beispiel dürfte wohl Jakob Fugger der Ältere sein, dessen Nachfahre Jakob Fugger, genannt der Reiche, mit seinem Geld die Kaiserwahl beeinflusste.

Doch nicht nur die Großen verdienten am Silberboom. Auch die Männer und Frauen(!), die im Silberbergbau Arbeit suchten und fanden, wurden weit besser bezahlt als in anderen Berufen. Sie waren dank ihres Könnens begehrte Fachleute, von denen die Fürsten nicht genug in ihr Land locken konnten. So sicherten sich die Montantechniker Freiheiten, wie sie kaum ein anderer Berufsstand besaß. Auch wenn die Gefahr im Berg groß, die Arbeit hart und die Ausbildung lang war, lohnte es sich für jeden einzelnen, zu einem Teil der Montanindustrie zu werden.

Mit anderen Worten: Viele Menschen überlegten sich im 16. Jahrhundert, ob sie nicht in irgendeiner Form Teil der Montanindustrie werden wollten. Und dabei war natürlich nicht nur Silber interessant; es gab schließlich auch Kupfer, Blei, Zinn, Wismut, Quecksilber, Gold und natürlich Eisen!

Ein zusammenfassendes Werk über diese Industrie war geradezu dazu bestimmt, ein Bestseller zu werden.

Ein paar Bemerkungen zur Lebensgeschichte des Georg Pawer resp. Georgius Agricola

Auch Georg Bauer, zweites von sieben Kindern eines Tuchmachers und Färbers im sächsischen Glauchau, interessierte sich nach seinem Studium für diese einträgliche Wissenschaft. Dabei hatte er eigentlich eine klassisch humanistische Karriere gemacht. Nach Lateinschule und Studium trat er den Posten eines Rektors der Zwickauer Lateinschule an: Sein Freund und Vorgesetzter war ins nahe gelegene Joachimsthal übersiedelt. So dürfte Agricola durch dessen Briefe zum ersten Mal Informationen über den Silberbergbau erhalten haben.

Doch noch war das nicht Agricolas Thema. Er gab seine Stelle als Rektor auf, um nach Italien zu ziehen, wo er nicht nur sein Studium der Medizin abschloss, sondern auch in der wohl bedeutendsten wissenschaftlichen Druckerei als eine Art Redakteur mitarbeitete. Bei Aldus Manutius dürfte er in Venedig gelernt haben, wie zentral Illustrationen für das Verständnis eines Fachbuchs sein konnten.

Nach seiner Rückkehr übersiedelte Agricola im Jahr 1527 nach Joachimsthal, wo er einige Jahre als Arzt und Apotheker arbeitete. Dort schrieb er 1530 sein Erstlingswerk über den Bergbau. Es sollte nur die erste in einer langen Reihe von Publikationen sein, die sich zum größten Teil – wir kennen auch eine Schrift gegen die Türken und über die Pest – mit den Bodenschätzen und ihrem Abbau beschäftigten.

Wie gut der sächsische Arzt bereits 1530 in der internationalen Community der Humanisten – man spricht in diesem Zusammenhang gerne von der „Gelehrtenrepublik“ – vernetzt war, zeigt die Tatsache, dass der große Erasmus von Rotterdam das Vorwort zu diesem ersten Buch verfasste. Er dürfte auch den Kontakt zu Drucker resp. Verleger hergestellt haben, denn die meisten Publikationen Agricolas erschienen im weit entfernten Basel. So auch die Erstausgabe seines Meisterwerks, das wir Ihnen heute vorstellen dürfen – allerdings nicht in einer Erstausgabe, sondern in einer Version des Jahres 1657.

„De Re Metallica Libri XII“ ist die Frucht eines ganzen Gelehrtenlebens. Wahrscheinlich beendete Agricola sein Manuskript um 1550. Doch die aufwändige Produktion, über die wir später mehr erfahren werden, verhinderte den Druck zu Lebzeiten. Das Werk kam erst ein Jahr nach Agricolas Tod im Jahr 1556 heraus.

Doch bereits vor dem Erscheinen dieses Buchs, das wir heute so bewundern, galt Agricola als einer der führenden Humanisten seiner Zeit. Als er am 21. November 1555 in Zwickau starb, bezeichnete ihn der damals sehr bekannte Poet (und überzeugte Protestant) Georg Fabricius in einem Brief an Luthers Weggefährten Philip Melanchthon als „einen außerordentlichen Schmuck unseres Vaterlandes“, und das obwohl Agricola Zeit seines Lebens katholisch blieb und nichts von der Reformation wissen wollte.

Titelblatt der lateinischen Ausgabe von 1657, die das MoneyMuseum erwerben konnte.

2021 konnte das MoneyMuseum in Zürich eine lateinische Ausgabe des Georgius Agricola aus dem Jahr 1657 aus einer Liste des Antiquariats Johannes Müller erwerben. Sie erschien in Kombination mit weiteren wichtigen Werken Agricolas als eine Art Gesamtausgabe in Basel. Dies ist ein wunderbarer Anlass, Agricolas grundlegendes Werk zum Bergbau ein wenig genauer vorzustellen.

Widmung an Moritz von Sachsen und seinen Bruder August.

Zum Inhalt

Wie jedes gute Buch des Humanismus beginnt Agricolas Werk mit einer Einleitung, in der er nicht nur seine eigene Kompetenz, sondern auch die Wichtigkeit seines Themas darstellt. Diese Einleitung war von größter Bedeutung, um die Mächtigen der Zeit zu motivieren, ihm Ehrengeschenke zu übersenden, und so im Nachhinein die hohen Druckkosten zu amortisieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass Autoren im 16. Jahrhundert noch keine Honorare erhielten. Sie finanzierten sich, indem sie die Freiexemplare, die sie von der Druckerei erhielten, an mächtige (und reiche!) Männer schickten, die sie dafür mit einem Geschenk belohnten. Dies waren in erster Linie diejenigen, denen das Buch gewidmet war, also in unserem Fall Moritz von Sachsen und dessen Bruder August, der ihm 1553 als Kurfürst folgen sollte.

Besonders bemerkenswert scheint uns heute, dass sich Agricola in seiner Einleitung ausführlich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Alchemie beschäftigt. Um das zu verstehen, müssen wir uns klar machen, dass seine Zeitgenossen noch nicht unser Wissen über die atomare Struktur der Elemente besaßen, sondern fasziniert auf die Verwandlung der unterschiedlichsten Stoffe in chemischen Prozessen blickten. Die meisten gebildeten Menschen waren damals der Ansicht, dass irgendwann ein kluger Mann einen Weg finden werde, um Gold und Silber herzustellen. Auch Agricola hielt diese Option für möglich, doch er weist in seiner Einleitung auf den großen Unsicherheitsfaktor hin, und tritt deshalb für den zwar wesentlich teureren, aber sicheren Weg des Bergbaus ein. Es zeugt für die Geisteshaltung der gebildeten Welt des 16. Jahrhunderts, dass dies Agricola notwendig schien.

Genauso widerspricht Agricola der damals weit verbreiteten Ansicht, dass es ein purer Glücksfall sei, wenn irgendwo eine Silberader entdeckt werde. Er stellt all den wilden Männern und Zwergen, die in frommen Legenden den braven Bergleuten eine reiche Silberader zeigen, wissenschaftliche Methoden zur Auffindung von Bodenschätzen gegenüber. In seinen ersten vier Büchern beschreibt Agricola, wie man Bodenschätze lokalisiert, die erzführende Ader innerhalb des Bergs verfolgt und, ohne allzu viel taubes Gestein abführen zu müssen, ausbeutet.

Auch wenn wir heute wahrscheinlich nicht mehr zur Wünschelrute greifen würden, wie der Prospektor auf Abb. 9, sind Suchgräben und das Wissen um den Verlauf von Erzadern heute noch von existentieller Bedeutung.

Agricola hatte dabei übrigens ein konkretes Beispiel vor Augen: Er wusste, dass die Auffindung der reichen Silbervorkommen von Joachimsthal kein Zufall gewesen war. Sie war das Resultat einer gezielten und langwierigen Prospektion. Die sächsischen Investoren, die in Annaberg und Freiberg große Vermögen gemacht hatten, schickten sächsische Fachleute ins benachbarte Königreich Böhmen, also auf die andere Seite des so genannten Erzgebirges. Dort suchten sie systematisch, bis sie eine Gegend fanden, in der mehrere erzführende Gänge in die Nähe der Oberfläche kamen. Dort gründeten sie ihre Bergwerkstadt – übrigens erst nach ausführlichen Verhandlungen mit dem Landesherren und seinem König über den zu verteilenden Gewinn.

Nur in zwei Kapiteln beschäftigt sich Agricola mit dem eigentlichen Bergbau, aber diese Seiten liefern uns eine Fülle von realistischen Einblicken in die Lebenswirklichkeit von Bergleuten. Man stelle es sich nur vor, wie es ist, auf einer zerbrechlichen Holzleiter viele Meter unter die Erde zu klettern, um dort in gebückter Haltung stundenlang mit Schlägel und Eisen das Gestein zu lösen, das ein anderer Bergmann mit Schubkarre oder Grubenhunt zum Sammelplatz befördert, wo es in einem Eimer über eine Kettenwinde nach oben gezogen wird!

Jedem modernen Sicherheitsbeauftragten dürfte schon der Gedanke Schweißperlen auf die Stirn treiben, dass man tief in den Gängen des Erdinneren Feuer setzte, mittels deren Hitze das umliegende Gestein mürbe wurde, und zwar so mürbe, dass es sich leichter lösen ließ, aber nicht so mürbe, dass der Gang zusammenbrach. Die giftigen Gase, die durch den Brand entstanden, konnten nur durch die engen Förderlöcher abziehen. Es gehörte viel Erfahrung und Glück dazu, diese Technik so einzusetzen, dass niemand zu Schaden kam!

Auch wie das Werkzeug eines Bergmanns beschaffen sein musste, illustriert und erklärt Agricola bis ins Detail, und zwar derart genau, dass ein Schmied keine Mühe hatte, nach seinen Skizzen solches Gerät anzufertigen. So verbreiteten sich auch neue Ideen wie der so genannte Grubenhunt. Dabei handelte es sich um ein auf Schienen rollendes kleines Gefährt, mit dem das erzhaltige Gestein zum Sammelplatz gefahren wurde. Dank Agricola wurde dieses Hilfsmittel bald in Europa und der Neuen Welt verwendet.

Der Weiterverarbeitung der Bodenschätze ist der dritte Teil des Buchs mit sechs Kapiteln gewidmet. Agricola schildert, wie das erzführende Gestein zerkleinert und behandelt werden muss, ehe man es in großen Öfen ausschmelzen kann. Diese Arbeit konnte nicht in der idyllischen Umgebung eines kleinen Handwerksbetriebs geschehen, sondern verlangte geradezu industrielle Strukturen – und zwar mit allen Konsequenzen. Die uns heute so idyllisch anmutenden Minengebiete von Joachimsthal oder Schwaz waren in ihrer Blütezeit überbevölkert und zersiedelt. Man sah kaum etwas Grünes. Die Wälder waren rings herum abgeholzt, die Luft verpesteten schwarze Rauchschwaden. Ständig herrschte Lärm, zu dem das Tag und Nacht von Wasserkraft angetriebene Pochwerk unüberhörbar den Takt schlug. Unter solchen Umständen zu arbeiten, war kein Vergnügen!

Aber die Arbeit lohnte sich, auch für die dort beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Sie kannten keinen Hunger, denn jeder, wirklich jeder fand in den Minengebieten gut bezahlte Arbeit. Das zeigen uns die auch für die Sozialgeschichte interessanten Abbildungen. Gerade beim Sortieren und beim weiteren Zerkleinern des aus dem Pochwerk kommenden Gesteins wurden gerne Frauen eingesetzt.

Sogar Kinder fanden bezahlte Arbeit, mit der sie zum Familieneinkommen beitrugen. In einer Zeit, in der man Kinder für kleine, unvollkommene Erwachsene hielt, wurde das durchaus positiv gesehen.

Renaissance und technischer Fortschritt

Ist normalerweise der Text eines Buchs sein wichtigster Inhalt, ist Agricolas Werk eher wegen seiner realistischen Illustrationen bekannt. Sie ermöglichten es Montantechnikern auf der ganzen Welt, die in Joachimsthal angewandten Methoden zu kopieren – selbst wenn sie den Text nicht lesen konnten.

Das war neu! Jahrhundertelang waren Illustrationen schmückendes Beiwerk, dessen Realitätsgehalt kaum eine Rolle spielte. Doch das änderte sich mit der Renaissance. Dank der neu entdeckten Perspektive wurde es erstmals möglich, die Wirklichkeit detailgetreu nachzubilden. Damit entstand eine völlig neue Form der Wissensvermittlung. Fortan ergänzten sich in Fachbüchern Text und Bild, so dass die Funktionsweise eines Gegenstands auf zwei voneinander unabhängigen Wegen verstanden werden konnte.

Agricola schildert in seinem Text eben nicht nur, wie ein Göpel funktioniert. Mit solch einem Hebewerk konnte man schwere Lasten relativ einfach heben, so dass es zur Grundausstattung jeder Form von Bergwerk gehörte. Seine Wirkungsweise wird mit einer Illustration erläutert; und die Art und Weise, wie das Bild gestaltet ist, ist uns heute so vertraut, dass wir gar nicht mehr wahrnehmen, wie revolutionär es im 16. Jahrhundert war!

Es ist eben nicht selbstverständlich, dass eine Abbildung nur einen Ausschnitt wiedergibt, bei dem der Betrachter das nicht im Bildrahmen Liegende geistig ergänzen muss. Kein mittelalterlicher Künstler hätte ein Pferd ohne Kopf geschaffen! Für die Funktionsweise des Göpels aber spielt der Pferdekopf keine Rolle. Genauso wenig ist es selbstverständlich, einen Querschnitt mit mehreren Ebenen zu schaffen: Über der Erde, unter der Erde und tief unter der Erde. Und dann wird durch Buchstaben eine Beziehung zum Text hergestellt: Auch das ist ein Verfahren, das so praktisch ist, dass wir es heute noch benutzen: Mittels der Buchstaben findet jeder Leser sofort eine Darstellung des Maschinenteils, dessen technische Bezeichnung er nicht kennt.

Um die Qualität der Darstellungen würdigen zu können, muss man sie mit früheren Bildern vergleichen. Unser Beispiel zeigt einen Ausschnitt aus dem wohl detailverliebtesten Stundenbuch, das je geschaffen wurde. Die Illustrationen des in den Jahren zwischen 1410 und 1416 entstandenen „Très Riches Heures“ des Herzogs von Berry verraten dem Betrachter viel über den Alltag des ausgehenden Mittelalters. Wer aber verstehen will, wie ein Baukran konstruiert ist, wird mit dieser Abbildung kaum weiterkommen.

Wer waren wohl die Künstler, die diese eindrücklichen Bilder zu „De re metallica“ schufen? Diese Frage ist nicht abschließend beantwortet, auch wenn wir dank eines Briefs, den Agricola am 20. April 1552 an seinen Drucker Nikolaus Bischof schrieb, etwas mehr wissen. Der Autor scheint die Skizzen zu seinen 292 Holzschnitten selbst gemacht zu haben. Doch diese Skizzen eigneten sich nicht als Vorlage für anspruchsvolle Buchillustrationen. Deshalb erteilte Agricola dem in St. Joachimsthal lebenden Basilius Weffringer den Auftrag, daraus die Abbildungen zu den Büchern VI bis XII anzufertigen. Diese wurden dann von Hans Rudolf Manuel, genannt Deutsch (1525-1571) und Zacharias Specklin (1530-1576) in Holzschnitte verwandelt.

Diese Druckstöcke verblieben beim Verlag, der in den Jahren zwischen 1556 und 1657 acht verschiedene Ausgaben damit illustrierte, so auch die des MoneyMuseums.

 

Es gibt heute Historiker, die der revolutionären Kunst der Renaissance einen wesentlichen Anteil am wissenschaftlichen Fortschritt einräumen. Mit anderen Worten: Ohne das Wissen um Perspektive und den Mut, neue Wege in der Darstellung zu gehen, hätten die Erkenntnisse eines Georg Agricola nie diese breite Öffentlichkeit gefunden und nicht diese Wirkung entfaltet.

Zum Nachleben des Buchs

Agricolas Werk war nicht nur für seine Zeitgenossen und die Entwicklung der Montantechnologie zentral. Es spielte auch die wesentliche Rolle in der Erforschung der Technikgeschichte der Montanindustrie. Den Grundstein dazu legte einer, von dem man es wohl am wenigsten erwartet hätte: Der spätere amerikanische Präsident Herbert Hoover (1874-1964; Präsident 1929-1933).

Hoover war gelernter Bergbauingenieur, der sich auf die finanziell sehr lukrative Restrukturierung strauchelnder Bergwerksgesellschaften spezialisiert hatte. In seiner Freizeit beschäftigte er sich mit der Geschichte des Bergbaus, und so entdeckte er Agricola. Zusammen mit seiner Gemahlin Lou Henry Hoover, einer Geologin und Latinistin, übersetzte er das Werk ins Englische und publizierte es zusammen mit einem ausführlichen Kommentar im Jahr 1912.

Die Begeisterung für die Technikgeschichte der Montanindustrie ist seitdem nicht abgeflaut. Immer wieder werden neue Übersetzungen von Agricola publiziert, so ins Tschechische (1933), ins Russische (1962), ins Japanische (1968) und ins Ungarische (1985). 2006/7 unterstützte die EU das „Agricola Project“, über das Schüler aus unterschiedlichen Ländern die wissenschaftliche und technologische Vergangenheit Europas kennenlernen sollen. Einen besseren Paten für ein Projekt der Europäischen Union kann man sich eigentlich nicht vorstellen.

 

Was Sie sonst noch interessieren könnte:

Es gibt viel, was über Agricola publiziert wurde. Wir fanden für die Arbeit an diesem Artikel besonders nützlich eine kurze Zusammenfassung von Hans Prescher zu Verbreitung und Rezeption des Werkes von Georgius Agricola.

Selbstverständlich gibt es auch eine Biographie zu Agricola, und zwar aus der Feder von Friedrich Naumann.