Wir heben ab! Bilder vom Fliegen von Albrecht Dürer bis Jorinde Voigt

Albrecht Dürer, Christi Himmelfahrt (aus: Die kleine Passion), um 1510, Holzschnitt auf Vergépapier, © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz.

Zwischen Faszination und Flugscham

Am 31. Oktober 2020 ist Berlins Flughafen BER endlich an den Start gegangen. Aus diesem Anlass widmet sich das Berliner Kupferstichkabinett unter dem Titel „Wir heben ab!“ dem Thema „Fliegen“ zwischen jahrhundertelanger Faszination und aktueller Flugscham. Gezeigt werden rund 80 Arbeiten von rund 60 Künstler*innen, darunter Werke von Albrecht Dürer, Rembrandt, Goya, Eugène Delacroix, Max Klinger, Käthe Kollwitz, Robert Rauschenberg bis hin zu Eberhard Havekost und Jorinde Voigt.

Wie lange dauert die Reise „Von der Erde zum Mond“? Das fragt sich wohl manch einer beim Blick zum nächtlichen Himmel. Im Untertitel seines gleichnamigen Romans aus dem Jahr 1865 behauptete der französische Schriftsteller Jules Verne, dass die „Direkte Fahrt in 97 Stunden und 20 Minuten“ zu absolvieren sei. Als rund 100 Jahre später – am 19. Juli 1969 – die Mondlandung Realität geworden war, hatte die Reisedauer 76 Stunden betragen. Jules Verne hatte also gut geschätzt.

Vögel und Insekten können seit jeher fliegen, Hexen und Dämonen wird diese Fähigkeit zugetraut. Aber der Mensch? Seine Gedankenflüge nahmen ihren Anfang auf dem Papier, bevor sie Realität wurden. Otto Lilienthal, einer der Pioniere der Fliegerei, verband die Luftfahrt mit der Hoffnung auf wirtschaftliche Freiheit, Mobilität und Frieden. 1894 formulierte er als Vision, dass „die Grenzen der Länder ganz ihre Bedeutung verlieren, weil man dieselben bis in den Himmel nicht absperren kann. Man kann sich kaum vorstellen, dass Zölle und Kriege dann noch möglich sind“. Wir sehen heute, dass sich Lilienthals friedvolle Vision nicht erfüllt hat. Wie alles, was der Mensch entwickelt, ist auch das Fliegen ambivalent. Flugzeuge können tödliche Waffen sein, ihre Abgase schädigen die Umwelt, ihre Motoren sind laut.

Rembrandt Harmensz van Rijn, Der Engel verlässt die Familie des Tobias, 1641, Radierung und Kaltnadel auf Vergépapier, © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz.

Und doch hat das Fliegen nicht an Faszination verloren: Seit 2001 gibt es den Weltraumtourismus, die Möglichkeit für Privatpersonen ins All zu fliegen. Und auch fliegende Autos sind heute nicht mehr Science Fiction. Flugtaxis könnten in den nächsten Jahren den Luftraum erobern, Tests mit Drohnen laufen. Im Januar dieses Jahres, 2020, hat zudem das Car-plane des Australiers John Brown beim Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig seine Zulassung erhalten. Je nach Bedarf kann damit geflogen oder gefahren werden, jeder ist sein eigener Pilot.

Der fliegende Mensch in 80 Kupferstichen

Wie sich die bildlichen Vorstellungen vom Fliegen im Allgemeinen und vom „Homo Volans“, dem fliegenden Menschen, im Besonderen, im Lauf der Jahrhunderte verändert haben, zeigt das Kupferstichkabinett in rund 80 Werken aus dem eigenen Bestand: Zeichnungen, Druckgrafiken und Werke der Buchkunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart werden in acht Kapiteln der Sonderausstellung präsentiert.

Künstler*innen:

Filippo Angeli, Hans Baldung, Jacopo de Barberi, Nicolas Beatrizet, Jacques-Firmin Beauvarlet, Félix Bracquemond, KP Brehmer, Johannes Bronkhorst, Adriaen Collaert, George Cruikshank, Eugène Delacroix, Otto Dix, Gustave Doré, Albrecht Dürer, James Ensor, Willi Geiger, Carlo Giuseppe Gerli, Karl-Christian Glassbach, Hendrick Goltzius, Franciso de Goya, Matthäus Greuter, Haller von Hallerstein, Eberhardt Havekost, Joseph Hegenbarth, Eduard Hildebrandt, Wassily Kandinsky, Anselm Kiefer, Paul Klee, Max Klinger, Käthe Kollwitz, Stasys Krasauskas, Fernand Léger, Walter Leistikow, Max Liebermann, Wilhelm Loeillot, Donatello Losito, Henri Matisse, Wolfgang Mattheuer, Adolph Menzel, Johann Daniel Meyer, Nanne Meyer, Paul Paeschke, Panamarenko, Eduardo Paolozzi, Pablo Picasso, Robert Rauschenberg, Rembrandt van Rijn, Kai Schiemenz, Josef Anton Siedler, Peter Sorge, Klaus Staeck, Simon Starling, Hans Verhagen der Stomme, Jonas Suyderhoef, Hans Thoma, Lodewyk Toeput, Medardus Thoenert, Jorinde Voigt, Wolf Vostell, W.L. Walton, Friedrich Georg Weitsch und Michael Lucas Leopold Willmann.

Praktisches

Die Ausstellung wird kuratiert von Anna Marie Pfäfflin, Kuratorin für die Kunst des 19. Jahrhunderts, gemeinsam mit Jenny Graser, Kuratorin für zeitgenössische Kunst, und Silvia Massa, Volontärin am Kupferstichkabinett. Medienpartner der Ausstellung ist tip Berlin.

Zur Ausstellung ist ein Katalog im Wienand Verlag, Köln, erschienen: deutsch/englisch, 112 Seiten, ISBN 978-3-86832-597-3, Preis: ca. 17 €.

Laufzeit der Ausstellung: ab Wiedereröffnung – 16. Mai 2021. Coronabedingt kann sich die Laufzeit der Ausstellung kurzfristig ändern. Aktuelle Infos unter www.smb.museum.

 

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