Wie der Buchdruck die Zürcher Reformation prägte

Huldrych Zwingli begann vor genau 500 Jahren, am Grossmünster das Evangelium zu predigen, und läutete damit die Zürcher Reformation ein. Durch die Zusammenarbeit mit dem Zürcher Buchdrucker Christoph Froschauer gelang es ihm, auch über die Landesgrenzen hinaus als Reformator eine bedeutende Rolle einzunehmen. Die neue Ausstellung «Getruckt zu Zürich – Buchdruck und Reformation» der Zentralbibliothek Zürich streicht die Bedeutung des Buchdrucks für die Zwinglische Reformation heraus. Die Ausstellung wartet mit aussergewöhnlichen Exponaten auf.

Mit der Zwinglischen Reformation schrieb Zürich im 16. Jahrhundert Weltgeschichte. Weder zuvor noch danach erlangte ein Ereignis in der Limmatstadt eine solch globale Bedeutung. In seiner nur gerade zwölf Jahre dauernden Amtszeit als Leutpriester am Grossmünster setzte Zwingli (1484–1531) einen fundamentalen Wertewandel in Kirche und Gesellschaft in Gang. Wichtig für seinen internationalen Erfolg war die Zusammenarbeit mit dem Zürcher Buchdrucker und Anhänger reformatorischer Ideen, Christoph Froschauer (1490–1564).

Froschauer-Bibel, 1531. Zentralbibliothek Zürich, Zwingli 304.

Flugschriften – die Flyer der Reformation

Martin Seger und Hans Füssli: Beschreibung der Göttlichen Mühle, Zürich: Froschauer, 1521. Anstelle der traditionellen Hostienmühle zeigt der Holzschnitt eine Allegorie auf die Verbreitung des Evangeliums. Zwingli 106: a.1.

Die mediale Verbreitung der Reformation steht im Fokus der neuen Ausstellung. Dank des neuen Medientyps der Flugschrift gelang es Zwingli, seine theologischen Ansätze schnell und über die Landesgrenzen hinaus zu verbreiten. Auch für Froschauer war die Reformation ein gutes Geschäft: Mit seinen 800 Drucken zählte er zu den grossen Namen im deutschsprachigen Raum. Den Höhepunkt der Zusammenarbeit bildete der Druck der Froschauer-Bibel 1531. Dieses besondere Juwel der Zürcher Reformation, in dem alle Teile des Alten und Neuen Testaments erstmals in einem Buch zusammengefasst waren, ist in der Ausstellung zu sehen.

Eindrückliche Exponate, Film und Quiz

Die Ausstellung vermittelt ein Bild des Verlagssortiments der Offizin Froschauer, der ikonographischen Umsetzung theologischer Themen sowie der aufkommenden Zensur. Zu sehen sind zum Teil einzigartige und selten präsentierte Dokumente wie das im Privatbesitz stehende und weltweit einzige Porträt Froschauers aus dem Jahr 1556, der von Zwingli benutzte Einsiedler Codex und die kolorierte Reformationschronik von Heinrich Bullinger aus den Spezialsammlungen der ZB. Besonders erlebbar wird die Reformationszeit durch Sequenzen aus dem Schweizer Kurzspielfilm «Zwinglis Erbe» (2018) von Alex Fröhlich. Wer sein Wissen über die Reformation an der Ausstellung testen möchte, kann an einem Quiz teilnehmen.

Der Holzschnitt in der Schweizer Chronik von Johannes Stumpf zeigt die Druckerei Froschauer mit Heinrich Vogtherr d. Ä. im Vordergrund (links) und möglicherweise Christoph Froschauer mit Bart im Hintergrund. Zentralbibliothek Zürich, AW 40: 1.

Beschreibung der Ersten Zürcher Disputation (29. Januar 1523) mit einer kolorierten Federzeichnung in einer Abschrift von Heinrich Bullingers Reformationsgeschichte, 1605. Zentralbibliothek Zürich, Ms B 316.

Zur Ausstellung wird ausserdem ein Begleitbuch in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift «Zwingliana» herausgegeben. Der Band vereinigt neun Beiträge zum Thema «Buchdruck und Reformation in der Schweiz».

Die Ausstellung kann noch bis zum 30. April 2019 in der Zentralbibliothek Zürich besucht werden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Zentralbibliothek Zürich.

Mehr über die Geschichte der Stadt Zürich und ihrer Münzen finden Sie in der MünzenWoche.

Der Verein „500 Jahre Züricher Reformation“ hat 2017 ein Langzeit-Festival mit Ausstellungen, Kunstprojekten, Diskussionsrunden und Stadtführungen ins Leben gerufen. Das Programm für 2019 finden Sie online.