Virtuelle Ausstellung: Luthermania — Ansichten einer Kultfigur

De Gratiosa Incarnatione Dei: Psalm mit zahlreichen Anmerkungen von Luthers Hand. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, CC BY-SA 4.0

Zeitgenössische Luther-Drucke, Flugblätter aus dem 16. Jahrhundert, Objekte, die angeblich aus dem Besitz des Reformators stammen, wie das Tintenfass, mit dem er nach dem Teufel geworfen haben soll: Sie bilden den Schwerpunkt der im Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel realisierten Ausstellung „Luthermania – Ansichten einer Kultfigur“, die bis zum 17. April 2017 in der Herzog August Bibliothek gezeigt wurde und zeitlich unbegrenzt unter www.luthermania.de zu sehen ist. Für die virtuelle Schau wurden viele Druckwerke und Flugschriften vollständig digitalisiert und alle Exponate um zahlreiche Zusatzinformationen, Verlinkungen und Erschließungsmöglichkeiten ergänzt.

Handschriftliche Notizen am linken Seitenrand, am rechten Seitenrand und sogar zwischen den Zeilen: Ganz offensichtlich hat Martin Luther den lateinischen Psalter, der ihm für seine Vorlesungen in Wittenberg in den Jahren 1513 bis 1515 diente, gründlich durchgearbeitet. Die Anmerkungen des späteren Reformators geben Einblick in seine Ideen und Gedanken bei der Lektüre des liturgischen Textbuchs und bei der Vor- und Nachbereitung seiner Lehrveranstaltungen. Seit Oktober 2015 zählt das wertvolle Handexemplar Luthers zum Weltgedächtnis der UNESCO und damit zu den kulturell und historisch herausragenden Dokumenten, die mit moderner Informationstechnik weltweit zugänglich gemacht werden sollen.

Beim Luther-Psalter ist dies bereits geschehen: In der virtuellen Schau „Luthermania – Ansichten einer Kultfigur“, die auf der gleichnamigen, im Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW) realisierten Sonderausstellung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel basiert und die im Netz unter www.luthermania.de zu besichtigen ist, kann der Online-Besucher in dem vollständig digitalisierten Druckwerk blättern, die hochauflösenden Bilddateien heranzoomen und so die handschriftlichen Notizen Luthers detailliert betrachten.

Auch viele der anderen in der Ausstellung gezeigten Druckwerke stehen in der virtuellen Schau ganz oder teilweise digitalisiert zur Verfügung.

Die rund 70 Exponate, darunter auch Objekte wie das Tintenfass, mit dem Luther nach dem Teufel geworfen haben soll, sind vier Sektionen der Ausstellung zugeordnet: Luther, der Heilige – Luther, der Teufel – Luther, die Marke – Luther, der Deutsche. Sie stammen zum überwiegenden Teil aus den reichen Beständen der Herzog August Bibliothek, die auch über die weltweit größte Sammlung an Luther-Drucken verfügt. Im Netz können alle Exponate in Bildergalerien sowie in einer interaktiven Zeitleiste betrachtet werden.

Bei der Einordnung der Exponate helfen Kurztexte; für eine vertiefende Beschäftigung stehen zu jedem Ausstellungsobjekt ausführliche Informationen bereit. In weiterführenden Texten, die auf den Beiträgen und Essays des gedruckten Begleitkatalogs der Wolfenbütteler Ausstellung basieren und vergleichendes und relevantes Bildmaterial bereithalten, kommt die aktuelle Luther- Forschung zu Wort.

Die Germanistin Constanze Baum und der Historiker Timo Steyer (beide Wolfenbüttel) haben die virtuelle Schau konzipiert, das Design hat die Berliner Agentur Culture to Go auf Basis der Open-Source-Software Omeka entwickelt.

Die virtuelle Ausstellung „Luthermania – Ansichten einer Kultfigur“ ist ein Projekt des Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenbüttel (MWW), zu dem sich das Deutsche Literaturarchiv Marbach, die Klassik Stiftung Weimar und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel im Herbst 2013 zusammengeschlossen haben. Der Forschungsverbund MWW zeigt damit erstmals, wie sich die einzigartigen Bestände der in ihm vereinten drei großen deutschen Forschungsbibliotheken im Internet präsentieren lassen. Dabei verbindet die digitale Aufbereitung museale, bibliothekarische und wissenschaftliche Komponenten und stellt interessierten Besuchern wie Luther-Forschern umfangreiches und detailliert erschlossenes Material bereit.

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Die virtuelle Ausstellung finden Sie hier.

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