Un bel composto: Medialität im Barock

„Es ist allgemeine Auffassung, dass er der erste war, der versucht hat, die Architektur mit der Skulptur und der Malerei in einer Weise zu vereinigen, dass daraus ein schönes Ganzes entstehe.“ Die Worte Filippo Baldinuccis, die sich auf Gian Lorenzo Bernini beziehen, sind seit Irving Lavins Buch „Bernini and the Unity of the Visual Arts“ (1980) zum Gemeinplatz geworden.

Barock unter dem Gesichtspunkt der Medialität

Was hier mit dem Begriff des „Bel composto“ (ein schönes Ganzes) umrissen wird, ist in seiner ästhetischen Qualität allerdings keineswegs nur auf Bernini oder gar nur auf den italienischen Barock zu begrenzen. Und es lassen sich auch nicht nur die genannten drei Künste darunter subsummieren, sondern die Liste müsste auf weitere ausgedehnt werden: Musik, Tanz, Dichtkunst bis hin zu ephemeren Formen wie Feuerwerke oder Wasserspiele.

Der im Umfeld neuer sozialer Medien entstandene Begriff der Medialität ist im Wesentlichen charakterisiert durch seine Multi-Medialität, d.h. durch seine Fähigkeit, verschiedene mediale Ausprägungen zusammenzuführen. Davon ausgehend hat sich in der jüngsten Zeit die Vorstellung eine historische Medialität entwickelt, die sich mit ähnlich gelagerten Phänomenen der Vergangenheit befasst. Wesentlich ist dabei einerseits die Verschmelzung als Resultat eines teleologischen Prozesses, andererseits und gleichsam als Prämisse eine Reflexion über Wesen und Möglichkeit unterschiedlichster ästhetischer Qualitäten im Hinblick auf ein größeres Ganzes. Gerade der Barock hat es in mustergültiger Weise verstanden, unterschiedlichste ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten zu verschmelzen und daraus kohärente neue Einheiten zu schaffen (un bel composto). Einer solche Haltung diametral entgegenstehen musste jede klassizistisch angehauchte Auffassung, die vom Primat der Zeichnung geleitet wurde. Der Bel Composto konnte sich im französischen Raum nie recht durchsetzen, und den Garaus machte ihm der europäische Klassizismus des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

Der 21. Internationale Barocksommerkurs

Der Barocksommerkurs fragt also nach dem Potential einzelner Gattungen, sie einer Amalgamierung mit anderen Künsten zuführen zu können. Beiträge können theoretische Reflexionen über das Phänomen an sich wie über einzelne Gattungen ebenso umfassen wie Beispiele, die in exemplarischer Weise den Sachverhalt zur Anschauung bringen können.

Wie üblich soll der Diskurs fächerübergreifend angelegt sein. Die Veranstalter erhoffen sich eine rege Teilnahme von Wissenschaftlern und Promovierenden aus den Disziplinen Architektur- und Kunstgeschichte, Geschichte, Theologie, Theaterwissenschaften etc.

Da dem Gespräch, gemeinsamen Diskussionen, großes Gewicht zugemessen wird, sollten die Beiträge nicht länger als 20 Minuten dauern. Die Referate können in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache vorgetragen werden. Passive Deutschkenntnisse werden vorausgesetzt.

Bedingungen: Die Stiftung übernimmt die Kosten für die Übernachtungen, die Exkursion und die gemeinsamen Abendessen. Reisespesen können leider nicht erstattet werden.

Bewerbungen mit einem kurzen Exposé und einem kurzen CV werden bis spätestens 15. Januar 2020 per E-Mail an Dr. Anja Buschow Oechslin erbeten.

Konzeption / Organisation: Dr. Anja Buschow Oechslin (Einsiedeln), Prof. Dr. Axel Christoph Gampp (Uni Basel), Prof. Dr. Stefan Kummer (Uni Würzburg), Prof. Dr. Werner Oechslin (Einsiedeln).

 

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