Übermensch – Friedrich Nietzsche und die Folgen

Anlässlich Nietzsches 175. Geburtstags und des 150. Jubiläums seiner Berufung an die Basler Universität stellt das Historische Museum Basel in einer Sonderausstellung Friedrich Nietzsche in vielen Facetten vor: als geachteten Basler Professor, als reisenden Denker, als Liebenden und als Leidenden. Die Ausstellung erfordert keine Vorkenntnisse und geht folgenden Fragen nach: Wer war Friedrich Nietzsche? Ein kriegsverherrlichender Nazi-Vordenker, ein Frauenfeind, ein Wahnsinniger? Oder nicht viel mehr ein Anti-Antisemit, ein bekennender Europäer und ein Verfechter des Individualismus und der Selbstverwirklichung, von dem wir für die Herausforderungen der Gegenwart einiges lernen können? Zu sehen ist die Ausstellung vom 16. Oktober 2019 bis 22. März 2020 in der Barfüsserkirche.

Rund 75 Exponate, Leuchtkästen mit ausgewählten Zitaten, Audio- und Videostationen sowie Animationen und Filmausschnitte lassen den Kosmos Friedrich Nietzsches lebendig werden. Die Ausstellung gliedert sich in die Bereiche „Lebenswelten“, „Denkwelten“ und „Nachwelten“.

Lebenswelten

In den „Lebenswelten“ erzählen Originalbriefe die Geschichte des Ausnahmestudenten Friedrich Nietzsche. Wer war dieser Mann, der bereits mit 24 Jahren Basler Professor wurde? In seinem Privatleben bildete die leidenschaftliche Dreierbeziehung mit Lou von Salomé und Paul Rée einen Höhepunkt. Nachdem gesundheitliche Probleme Nietzsche zur Aufgabe seiner Professur zwangen, widmete er sich ganz der philosophischen Schriftstellerei.

Denkwelten

In den „Denkwelten“ werden zentrale Begriffe Nietzsches allgemeinverständlich erklärt. Dazu gehören der „Wille zur Macht“, die „Ewige Wiederkunft des Gleichen“ und der „Übermensch“. Umrahmt von seltenen Erstausgaben aus dem Nietzsche-Haus in Sils Maria geben namhafte Experten in Videostationen einen Einblick in bekannte Werke. In wenigen Worten klären sie über den Inhalt auf und geben Hinweise auf die Relevanz Nietzsches für aktuelle Fragestellungen.

Nachwelten

Die „Nachwelten“ beginnen mit dem vollkommenen Zusammenbruch Nietzsches 1889 in Turin. Der berühmte „Wahnbrief“ an Jacob Burckhardt wird ebenso präsentiert wie berührende Kritzeleien des Umnachteten aus seiner Zeit in der Psychiatrie und eine neu aufgefundene und erstmals ausgestellte Totenmaske Nietzsches. Die epochalen Wirkungen seines Werks hat Nietzsche zwar geahnt, aber nicht mehr selbst miterlebt. Ausgehend von den Aktivitäten des Weimarer Nietzsche-Archivs unter der Leitung seiner Schwester Elisabeth entwickelt sich europaweit ab etwa 1900 eine immer stärkere Rezeption seiner Gedanken, die bis heute andauert. Daneben gehört beispielsweise der Missbrauch seiner Schriften im Ersten und Zweiten Weltkrieg für Propagandazwecke ebenso zum Inhalt der Ausstellung wie Nietzsches Nutzung als Werbe-Ikone. Den Abschluss bildet der Kinobereich mit zahllosen Beispielen von Nietzsche- Zitaten in Hollywoodfilmen.

Die Ausstellung wird von zahlreichen Leihgebern aus dem In- und Ausland mit hochkarätigen Objekten unterstützt. Viele der empfindlichen Originale aus den Beständen der Universitätsbibliothek Basel, des Staatsarchivs Basel-Stadt und des Deutschen Literaturarchivs in Marbach werden seit Jahrzehnten erstmals öffentlich ausgestellt.

Begleitende Vorträge

  • 11.2019 18.00 Uhr: Nietzsches Übermensch und die Folgen, Prof. Dr. Katharina Grätz, Freiburg i. Breisgau
  • 01.2020 18.00 Uhr: Was geht es uns an, dass Herr Nietzsche wieder gesund wurde? Gesundheit als philosophische Metapher, PD Dr. Sebastian Kaufmann, Freiburg i. Breisgau
  • 02.2020 18.00 Uhr: Wie Sturmvögel vor der Wetterkatastrophe – Karl Jaspers über Kierkegaard und Nietzsche, JProf. Dr. Philipp Schwab, Freiburg i. Breisgau
  • 03.2020 18.00 Uhr: Nietzsche in Erz. Der Philosoph und seine Philosophie im Spiegel von Medaillen, Prof. Dr. Andreas Urs Sommer, Freiburg i. Breisgau

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Website des Historischen Museums Basel – Barfüsserkirche.

 

Was Sie sonst noch interessieren könnte:

Wenn Sie nicht ganz sattelfest sind in Bezug auf Nietzsches Werk, dann bekommen Sie einen knappen Überblick im Philosophenlexikon, oder viel ausführlicher bei Wikipedia.

Um die Werke Nietzsches zu kommentieren, gibt es übrigens eine eigene Forschungsstelle, deren Leiter, Andreas Urs Sommer, die Ausstellung beratend begleitet hat.

Andreas Urs Sommer ist übrigens nicht nur Philosoph, sondern auch ein international bekannter Numismatiker.

Und einlesen in die Originalschriften können Sie sich dann auf der Seite des Projekts Gutenberg.