Spitzenpreis für 0,02 % der größten Enzyklopädie vor der Zeit von Wikipedia

Ein Schätzpreis von 5000 Euro und ein Zuschlag von 6,4 Millionen Euro – das sieht man wirklich nicht alle Tage. Diesen Preis erreichten zwei chinesische Bände bei dem Art of Asia Sale von Beaussant Lefèvre bei Hôtel Drouot in Paris am 7. Juli.

Yongle, der dritte Kaiser der Ming-Dynastie und Auftraggeber der Enzyklopädie.

Das Wissen der Welt

Die zwei Bände waren Teil einer Kopie des Yongle Dadian, auch bekannt als Yongle-Enzyklopädie. Diese wurde von Yongle, dem dritten Kaiser des Ming-Dynastie, in Auftrag gegeben. Es sollte alles an damals bekanntem Wissen und Schriften enthalten, etwa Geschichte und Geografie sowie Lehren des Konfuzianismus und philosophischen Schriften.

Zwischen 1403 und 1408 arbeiteten über 2.000 Gelehrte an diesem Mammut-Werk. Die fertige Enzyklopädie bestand aus 11.095 Bänden, 22.877 Kapiteln und etwa 370 Millionen chinesischen Schriftzeichen – laut Wikipedia entspräche das etwa einer Viertelmilliarde englischer Wörter und damit dem sechsfachen Umfang der Encyclopaedia Britannica. Allein das Inhaltsverzeichnis umfasste 63 Bände!

Unter Kaiser Yongle erlebte China eine Blütezeit. Während seiner Herrschaft wurden drei von Chinas größten Wahrzeichen gebaut: Die Verbotene Stadt, die Porzellanpagode und der hier zu sehende Himmelstempel. Bild: Saad Akhtar / CC BY 2.0.

Natürlich war die Enzyklopädie ein Einzelstück, aufgestellt in der just fertiggestellten Verbotenen Stadt. Nachdem ein Feuer Mitte des 16. Jahrhunderts beinahe auch die Yongle-Enzyklopädie zerstört hätte, wurde unter Kaiser Jiajing Kopien angefertigt – zu denen eben jene beiden nun verkauften Bände gehörten.

Verlorenes Wissen

Die beiden Bände, die von Beaussant Lefèvre für einen Rekordpreis verkauft wurden. Bild: Beaussant Lefèvre.

Die Zeit meinte es nicht gut mit dem Yongle Dadian: Im Lauf der Geschichte ging das Original unter ungeklärten Umständen nahezu vollständig verloren. Die Kopien blieben länger erhalten, wurden aber im 19. Jahrhundert bei verschiedenen europäischen Interventionen in China ebenfalls fast vollständig vernichtet und in alle Welt verstreut. Heute kennt man noch weltweit insgesamt etwa 400 Bände aller Versionen des Yongle Dadian, was nur 3,5% des Werkes ausmacht. Etwa die Hälfte der Bände befindet sich noch in China.

Die beiden nun versteigerten Bände waren bisher unbekannt und sind nicht zusammengehörig. Ein Band umfasst die Kapitel 2268 und 2269 und handelt von den Seen Chinas; der andere Band mit Kapiteln 7391-7392 beschreibt Begräbnisriten. Nach Medienberichten rechnete das Auktionshaus zwar mit großem Interesse, doch das man das 1200-Fache das Schätzpreises erreicht, damit wird man sicher nicht gerechnet haben. Rechnet man die Auktionsgebühren mit, lag der Preis übrigens sogar bei über 8 Millionen Euro. Bei dem Käufer soll es sich um eine Privatperson handeln.

 

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Im British Museum werden drei Bände des Werks verwahrt. In diesem Video spricht Kuratorin Jessica Harrison-Hall über die Bedeutung des Yongle Dadian.