Sommerausstellung der Stiftsbibliothek St. Gallen

Im Mittelpunkt der Sommerausstellung 2019 der Bibliothek des Stiftsbezirks St. Gallen stehen Otmar, der zweite Gründer des Klosters St. Gallen, und die Welt des 8. Jahrhunderts. Noch bis zum 17. November 2019 können interessierte Besucher die Ausstellung im Barocksaal der Stiftsbibliothek St. Gallen besuchen.

Der Stiftsbezirk St. Gallen von oben. Foto: Stiftsbibliothek St. Gallen.

 

Beginn der Otmarsvita von Walahfrid Strabo in der ältesten Überlieferung (um 890/900). St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 562, S. 97. Foto: Stiftsbibliothek St. Gallen.

Die älteste Darstellung des heiligen Otmar mit dem Weinfässchen als Attribut (1430/1436). St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 586, S. 323. Foto: Stiftsbibliothek St. Gallen.

Neubelebung der Gallusgemeinschaft 719

719, vor 1300 Jahren, übertrug der lokale Machthaber Waltram dem aus Alemannien stammenden und in Chur ausgebildeten Otmar die Leitung der Verehrung am Gallusgrab und setzte ihn als Abt ein. Otmar belebte die um 612 von Gallus begründete, seither aber etwas eingeschlafene Mönchsgemeinschaft neu. Er etablierte das Kloster St. Gallen als religiöses Zentrum mit wachsender Ausstrahlung.

Halt und Zuflucht für die alemannische Bevölkerung

Die Klöster wandelten sich im 8. Jahrhundert zu sozialen Bezugspunkten der Gesellschaft. Bei der Gemeinschaft Otmars fand die alemannische Bevölkerung des weiteren Bodenseeraums Halt und Zuflucht. Sie dankte es dem Kloster an der Steinach mit vielen Landschenkungen und machte es reich.

Ein Mönch bringt Otmar Nahrung zum Gefängnis von Bodman. Federzeichnung in der deutschen Otmarsvita (1451/1460). St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 602, S. 224. Foto: Stiftsbibliothek St. Gallen.

Krankenstation für Aussätzige

Mit Hilfe dieser wirtschaftlichen Mittel richtete Otmar den Konvent auf die tätige Nächstenliebe aus. Er half den Armen, und er schuf eine der ersten in Europa bezeugten Krankenstationen für Aussätzige. Mit der Einführung der Benediktsregel um 747 legte er einen wichtigen Grundstein für den religiösen Aufschwung der Gemeinschaft.

Zwischen Franken und Alemannen

Im Machtkonflikt zwischen Franken und Alemannen geriet Otmar zwischen die Fronten. In einem politischen Prozess wurde er zum Hungertod auf der Pfalz in Bodman verurteilt, die Strafe wurde dann aber zur Verbannung auf die Rheininsel Werd bei Stein am Rhein reduziert. Dort starb er am 16. November 759.

Als die Mönche Otmars Leichnam von der Insel Werd zurück nach St. Gallen bringen, geht ihnen auf wundersame Weise der Wein nicht aus. Die Deckfarbenmalerei leitet Berichte über die diversen Verlegungen der Otmarsreliquien ein. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 1719, S. 24b. Foto: Stiftsbibliothek St. Gallen.

Sozialer Heiliger St. Gallens

Im 9. Jahrhundert wurde Otmar neben Gallus als zweiter Heiliger St. Gallens etabliert und erhielt eine eigene Kirche westlich der grossen Klosterkirche. Er ist der soziale Heilige St. Gallens.

Im Barocksaal der Stiftsbibliothek werden die Stücke der Ausstellung „Vater für die Armen – Otmar und die Anfänge des Klosters St. Gallen“ gezeigt. Foto: Stiftsbibliothek St. Gallen.

Eröffnung, Begleitprogramm, Katalog

Begleitend zur Ausstellung führt die Stiftsbibliothek verschiedene Veranstaltungen durch. Ausserdem erscheint ein reich bebilderter Katalog, der im Shop erhältlich ist.

Weitere Informationen zur Stiftsbibliothek St. Gallen finden Sie auf der offiziellen Internetseite.

Mehr über die Ausstellung „Vater für die Armen – Otmar und die Anfänge des Klosters St. Gallen“ sind ebenfalls auf der Webseite des Stiftsbezirks zu finden.

Das detaillierte Sommerprogramm als PDF finden Sie hier.

Das Ökumenische Heiligenlexikon bietet ebenfalls detaillierte Informationen über Otmar von St. Gallen.

Der Stiftsbezirk St. Gallen wurde 1983 in die Liste der UNESCO Welterbestätten aufgenommen. Dieser Beitrag des Katholischen Medienzentrums bietet Einblick in die Geschichte und Architektur des faszinierenden Sakralbaus.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden