Sensationsfund lässt Dürers Hasen in neuem Licht erscheinen

Dürers Feldhase – wirklich nur ein normaler Hase?

Es ist eine absolute Sensation, die wir am 27. Februar dieses Jahres in den Händen hielten: Eine unbekannte Schrift des Renaissancemalers Albrecht Dürer. Nachdem viele zuerst an eine Fälschung dachten, konnte die Echtheit jetzt verifiziert werden.

Das betreffende Manuskript trägt den Titel „De Ovis Paschalibus“ und wird auf das Jahr 1528 datiert. Es entging lange der Entdeckung, da es mit einem bekannten Werk Dürers zusammengebunden war, einer theoretischen Abhandlung über die menschlichen Proportionen mit dem Titel „De symmetria partium humanorum corporum“. Dürer war bekannt dafür, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen – seine Erkenntnisse trugen zur Genialität seines Oeufres bei. Doch in dieser Abhandlung steht nicht der Mensch im Mittelpunkt.

„Es ist eine absolute Sensation,“ sagt Ursula Kampmann, Kuratorin der Büchersammlung des MoneyMuseums. „Ein solcher Fund ist der Traum jedes Kurators. Für mich stand die Authentizität von Anfang an fest. Die Zeichnungen trugen unverkennbar die Handschrift Dürers.“

Mit Zeichnungen und Texten erörtert Dürer in diesem Werk Fragen der Proportion und Bemalung von Ostereiern. „Wir können davon ausgehen, dass Dürer ein großer Freund des Osterfests war“, so die Kuratorin Kampmann weiter. „Sein bekannter Feldhase erscheint durch diese Studien in einem ganz neuen Licht. Die Kunstgeschichte muss da in Teilen neu geschrieben werden – es kann sich nur um einen Osterhasen handeln!“

 

Hier sind sie – die bisher unbekannten Dürerzeichnungen:

Die Spur des Ostereis in der Renaissance – Die Welt war nie wieder dieselbe

Nun müssen zunächst weitere umfangreiche Studien angestellt werden. Schon jetzt steht aber fest, dass Dürer damit perfekt in die Riege der großen Renaissance-Persönlichkeiten passt, denen das Osterei Quelle der Inspiration war. So kennen die Schuldkinder in China bis heute eine Geschichte über die Ausbildung Leonardo da Vincis, die in Europa heute zu Unrecht vergessen ist.

Demnach soll Da Vincis Meister ihm das Zeichnen beigebracht haben, indem er ihn über eine lange Zeit Eier genaustens beobachten und zeichnen ließ. Da Vinci wurde dieses Unterrichts bald müde, doch sein Lehrer erklärte ihm, dass nur Wiederholung zur Perfektion und einem tieferen Verständnis führe. Leonardo Da Vinci folgte diesem Rat und fertigte über Jahre hunderte Skizzen von Eiern an – und wurde so zu dem Maler und Genie, als das wir ihn kennen.

Der Stich des Briten Hogarth offenbart bei genauer Betrachtung die Wahrheit über das Ei des Kolumbus…

Oder nehmen wir Dürers Zeitgenossen Kolumbus, der hierbei ebenfalls nicht vergessen werden darf. Die Anekdote vom Ei des Kolumbus ist allgemein bekannt. Die Aussage der Anekdote kann man aber nur richtig interpretieren, wenn man weiß, dass Kolumbus nicht irgendein Ei, sondern ein Osterei zerschlug, wie dieser Stich offenbart, wenn man ganz genau hinschaut.

Was damit gemeint war? Das Wort „Ostern“ leitet sich tatsächlich vom Wort Osten ab. Ostara war die germanische Göttin des Frühlings und der Morgenröte, die bekanntlich im nach ihr benannten Osten aufgeht. An Ostern wurde ursprünglich ein Fest zu ihren Ehren gefeiert, daher der Name. Das Osterei stand für Kolumbus stellvertretend für den Osten – das Eindrücken des Eies dafür, dass der Weg nach Osten über den Westen führt – so wurde Amerika entdeckt.

 

Wir werden Sie über den Sensationsfund auf dem Laufenden halten. Schon morgen werden wir an dieser Stelle neue Erkenntnisse und Bilder veröffentlichen.

Nachtrag: April, April!

Sie haben sicher längst mitbekommen, an welchem Tag dieser Beitrag veröffentlicht wurde. Ja, vielleicht ist da etwas die Fantasie mit uns durchgegangen. Die Geschichte über Leonardos Eierskizzen wird in Chinas Schulen wohl tatsächlich unterrichtet, scheint aber keinen belegbaren wahren Kern zu haben. Lesen Sie hier mehr darüber. Und natürlich ging es auch Kolumbus nicht um Ostereier – Ostern leitet sich aber tatsächlich von einem Fest für die Göttin Ostara ab.

Wir danken der großartigen Claire Franklin für Ihre fantastischen Zeichnungen, von denen wir hier noch zwei als Bonus für Sie haben.

 

Sollten Sie mehr von Claire sehen wollen, empfehlen wir ihre wöchentlich erscheinenden Cartoons auf Münzenwoche.de

Wir haben im MoneyMuseum zwar kein Dürer-Buch über Ostereier, aber dafür ein Dürer-Buch über die menschliche Proportion!