Reading Between the Lines: Drawing Illustrations

Heutzutage werden illustrierte Bücher meist mit Kinderliteratur in Verbindung gebracht, allerdings spielten Bilder über eine lange Zeit hinweg eine bedeutende Rolle in den verschiedensten literarischen Genres. Die Ausstellung „Reading Between the Lines: Drawing Illustrations“ beschäftigt sich mit Illustrationen des 18. und 19. Jahrhunderts und stellt dabei die Blütezeit der französischen Buchkunst zur Zeit der Aufklärung in den Vordergrund. Außerdem wird der Frage nachgegangen, welche Rolle literarische Inspirationen für die europäischen Künstler der Romantik spielten. Die meisten der ausgestellten Werke stammen aus der Sammlung des Getty Museum oder sind Leihgaben lokaler Privatsammlungen oder des Getty Research Institute.

Die von der Pest befallenen Tiere, von Jean-Baptiste Oudry, 1731. © The J. Paul Getty Museum, Los Angeles.

Verlage als Auftraggeber von Buchillustrationen

„Diese Ausstellung zeigt einige der schönsten französischen Zeichnungen und Aquarelle des 18. und 19. Jahrhunderts aus der Sammlung des Museums“, erklärte Timothy Potts, Leiter des J. Paul Getty Museum.

„Viele dieser Werke wurden im Rahmen der Vorbereitungen gedruckter Bücher angefertigt und eine bedeutende Zahl der Illustrationen wird mit der jeweiligen gedruckten Publikation zusammengeführt, für die sie ursprünglich angefertigt wurde. Die zunehmend wichtige Rolle, die Bilder in den zu dieser Zeit publizierten Büchern spielten, ist ein vernachlässigter, aber wichtiger Aspekt ihrer intellektuellen Geschichte und wird – da bin ich mir sicher – in der extrem visualisierten Textkultur unserer heutigen Gesellschaft großen Anklang finden.“

Im 18. Jahrhundert war für die Veröffentlichung eines illustrierten Buches ein weitaus größeres Budget notwendig als es die meisten Künstler zur Verfügung gehabt hätten. Aus diesem Grund wählten die Künstler nur in den seltensten Fällen die Texte aus, die sie illustrierten. Stattdessen arbeiteten sie für kommerzielle Verleger. Erwähnenswerte Ausnahmen sind Jean Baptiste Oudry, dessen Fähigkeiten im Hinblick auf Tierillustrationen zu einer umfassenden und recht persönlichen Illustrationskampagne von Jean de La Fontaines Fabeln – einer Sammlung moralisierender Gedichte über Tiere und Menschen – führten, sowie Jean Honoré Fragonard, der sich zu Ende seiner Karriere als Maler Illustrationen mit erstaunlicher Ausdruckskraft zuwandte und etwa 200 Zeichnungen für Ludovico Ariostos wildes, umfangreiches Epos Orlando Furioso („Der rasende Roland“) lieferte.

Dido Excoriates Aeneas, aus dem 4. Buch der „Aeneis“. Von Jean-Michel Moreau le jeune, 1803. © The J. Paul Getty Museum, Los Angeles.

Der erfolgreiche Künstler Jean Michel Moreau

Jean Michel Moreau, genannt „le jeune“ (der Jüngere), war einer der fruchtbarsten französischen Illustratoren des 18. Jahrhunderts. Seine Fähigkeit, sich je nach künstlerischer und politischer Mode selbst neu zu erfinden, half ihm dabei, sich eine lange und facettenreiche Karriere zu erarbeiten, die sich über das ereignisreiche halbe Jahrhundert von 1760 bis etwa 1810 erstreckte. Moreau trug sowohl Zeichnungen zu Neuausgaben der Literaturklassiker von Ovid, Molière, und Racine bei als auch zu den Büchern seiner Zeitgenossen wie Voltaire und Rousseau. Er war Mitglied der königlichen Akademie und zum Zeichner und Kupferstecher des Königs ernannt worden – die Französische Revolution Ende des Jahrhunderts hätte ihn also leicht ins Visier nehmen können, doch die in seinen Illustrationen zur Aeneis deutlich werdende Fähigkeit, sich sowohl stilistisch als auch thematisch geschickt anzupassen, ermöglichte es ihm, sich mit den klassizistischen Revolutionären der jüngeren Generation zu vermischen.

Bewegende Illustrationen

Wenn Künstler des 19. Jahrhunderts literarischen Szenen illustrierten, taten sie dies meist nicht als Arbeiter, die dafür bezahlt wurden, Wörter textgetreu in Bilder umzuwandeln, sondern vielmehr als Leser, die von den großen Schriftstellern wie Shakespeare, Goethe oder Byron bewegt und inspiriert wurden. Oftmals wählten sie Aquarelle, die intimere und spontanere Assoziationen wecken als Ölbilder, als ideales Medium für diese sehr persönlichen Illustrationen. Die Weiterentwicklung der Drucktechniken machte die Verbreitung von Bildern für die Künstler, die ihre Illustrationen veröffentlichen wollten, deutlich günstiger. So half beispielsweise die Einführung der Lithografie – einer Technik, die keinen professionellen Kupferstecher erforderte und viele Drucke aus einer einzigen Platte herstellen konnte, – dabei, Théodore Géricaults und Eugène Delacroix literarische Illustrationen im Europa der 1820er zu verbreiten. In den 1860ern waren die biblischen Illustrationen von Julius Schnorr von Carolsfeld und Gustave Doré dank der Entwicklung der effizienten Technik des Holzstichs in den Haushalten der ganzen Welt zu finden.

„Reading Between the Lines: Drawing Illustrations“ kann bis zum 15. September 2019 im J. Paul Getty Museum besucht werden. Die Ausstellung wird von Emily Beeny, der Kuratorin der Abteilung für Zeichnungen, betreut.

 

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Weitere Informationen zu Projekten, die mit der Ausstellung in Verbindung stehen, erhalten Sie auf der Website des Getty Museum.

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