Norwegian Printing Museum in Stavanger eröffnet

Außenansicht des Museums. Foto: Atelier Brückner / Marcus Sies.

In Stavanger, Norwegen, eröffnete am 20. November das Norwegian Printing Museum. Es liegt auf dem Areal einer ehemaligen Sardinendosenfabrik in der historischen Altstadt. Das Fabrikgebäude ist die Heimat des Norwegian Canning Museums. Es wurde architektonisch erweitert von Eder Biesel Arkitekter. Die Ausstellung im Neubau stammt von Atelier Brückner. Beide Museen firmieren gemeinsam unter der Marke IDDIS, abgeleitet von iddikett, dem Wort für Etikett im regionalen Dialekt.

Druckkunst und Fischkonserven

Das Norwegian Printing Museum überblickt mehr als 40 000 Jahre – von den ersten menschlichen Überlieferungen in Form von Höhlenmalerei bis in die digitale Gegenwart. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Wandel der Drucktechniken für Wort und Bild – _mit regionalen und örtlichen Bezügen: In Stavanger erblühte die Druckkunst ab dem frühen 19. Jahrhundert, da die örtliche Fischkonservenproduktion zahlreiche Druckaufträge nach sich zog. Das Etikett hatte zentrale Bedeutung für die Vermarktung der Fischkonserven. Von Stavanger aus wurden sie in alle Welt exportiert – bis in die 1950er Jahre. Die Ausstellung bietet einen spielerischen Zugang zu mehr als tausend Sardinendosenlabeln. Sie sind digital erschlossen. Daneben beeindrucken die historischen Lithographiesteine, eine Lithographiepresse, verschiedene Druckwalzen und die Einrichtung eines Fotolabors. In einem großzügigen Werkstattbereich, dem Print Shop, im Obergeschoss des Museums können zudem ein halbes Dutzend historischer Druckmaschinen in Aktion bestaunt werden.

Die Druckerpresse als Turning Point

Die Museumsausstellung erstreckt sich im Erdgeschoss des Gebäudes über zwei große Raumeinheiten, die mit einem gemeinsamen Medientunnel verbunden sind. Der inszenierte Korridor ist die Klimax des Parcours. Er kann von beiden Seiten her begangen werden. Der Parcours ist jeweils chronologisch angelegt: Betritt der Besucher das Museum vom Canning Museum aus, geht es im ersten Ausstellungsraum um die Vervielfältigung des Bildes mit Schwerpunkt Lithographie und Fotografie. Aus einer Kamera steigt eine Bilderflut auf, die sich im Medienkorridor bis in die Gegenwart schraubt und dann zurück bis zu einer Gutenberg Druckerpresse führt, begleitet von Tageszeitungen, Schreibmaschinen und frühen Computern.

Die Druckerpresse ist das zentrale Exponat im zweiten Ausstellungsraum. Sie ist inhaltlich und räumlich der Turning Point: Mit Erfindung der beweglichen Lettern war ab 1450 die großflächige Verbreitung von Druckerzeugnissen möglich. Aus der Presse schießen gedruckte Blätter in die Höhe und in den Medientunnel hinein. Sie führen bis zum heutigen E-Publishing. Bevor sich die Druckindustrie etablierte, war das Skriptorium der zentrale Ort der schriftlichen Vervielfältigung. Es ist – gleichwertig zur Druckerpresse – als Raumeinheit inszeniert.

Die Strukturierung der Ausstellungsräume erfolgt über kubische Regale aus Holz. Die Kuben sind individuell kombinierbar und können mit Exponaten bespielt oder auch bedruckt werden. Leitbild dieses Ordnungssystems sind Setzkästen, in denen die Buchstaben der Druckindustrie ihren Platz fanden. Auch der Print Shop im Obergeschoss des Gebäudes ist flexibel ausgelegt: Die Thementexte und Exponatbeschriftungen sind auf Tafeln gedruckt. Sie werden in hölzerne Leisten rund um den Ausstellungsraum und in die brusthohe Zonierung eingesteckt, die einzelne Themenbereiche voneinander trennt: Verschiedene Druckverfahren stehen zum Vergleich. Auch das Schriftsetzen und das Buchbinden sind Thema. Die Druckindustrie Stavangers mit ihren ratternden Wunderwerken fasziniert bis in die Gegenwart.

Was Sie sonst noch interessieren könnte:

Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie auf der Website des Museums.

Die Ausstellung stammt vom Atelier Brückner aus Stuttgart.

Keine Zeit für einen Besuch in Norwegen? 1743 schrieb Christian Friedrich Gessner ein Buch über alles, was es über den Buchdruck zu wissen gibt. Wir haben es uns angeschaut.

Unsere Kollegin Teresa Teklić hat in Leipzig den Versuch gewagt: Einmal selber drucken!





Text bewerten