Krieg und Frieden, Freud und Leid in Bayern

Von „Krieg und Frieden, Freud und Leid“ erzählt der dritte Teil der Ausstellung „Gott, die Welt und Bayern“, der ab 15. April in den Schatzkammern der Bayerischen Staatsbibliothek zu sehen ist. Die Exponate stammen aus den Sammlungen der zehn regionalen Staatlichen Bibliotheken Bayerns, darunter ein filigraner Silbereinband eines Augsburger Goldschmieds, eine Karikatur E.T.A. Hofmanns aus seiner Bamberger Zeit, ein handgeschriebener Brief Bertolt Brechts an seine Jugendliebe sowie ein Regensburger Kriegskochbüchlein von 1915. Die Ausstellung zeigt auch für Bibliotheken eher ungewöhnliche Sammelobjekte. Aus Aschaffenburg kommt eine Statuette des chinesischen Gottes des langen Lebens, Shou Lao (18. Jh.), aus Bamberg ein Faltfächer mit ostasiatisch anmutender Zeichnung (18. Jh.) und aus Dillingen eine Gemmen-Sammlung in Buchform (18. Jh.). Das Wechselspiel zwischen Krieg und Frieden illustrieren Exponate mit Bezug auf den Westfälischen Frieden wie das Augsburger Kinderfriedensfest ebenso wie Dokumente aus den verheerenden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Das Regensburger Kriegskochbüchlein von Marie Buchmeier ist ein sprechendes Zeugnis für den eklatanten Mangel, unter dem die Bevölkerung im Ersten Weltkrieg litt. Ein während des Zweiten Weltkriegs im Lager Mauthausen/Gusen entstandenes Album mit karikaturistischen Aquarellen eines polnischen Häftlings veranschaulicht auf bewegende Weise den Lageralltag der für die Rüstungsindustrie ausgebeuteten Zwangsarbeiter.

Europa Regina, Europakarte in Frauengestalt nach einem Entwurf von Johannes Putsch, Kupferstich von Matthias Quad, 1587. Bayerische Staatsbibliothek.

Aus Orient und Okzident

Bis zum 7. April 2019 zeigte die Bayerische Staatsbibliothek im zweiten Teil der Ausstellungsreihe Bücher, Karten und Globen des 16. und 17. Jahrhunderts. Unter dem Titel „Aus Orient und Okzident“ waren unter anderem Glanzstücke wie zwei Globen von Gerhard Mercator, der Himmelsatlas von Andreas Cellarius, „De Revolutionibus“ des Nikolaus Kopernikus sowie ein Wappen von Lucas Cranach d. Ä. zu sehen.

Zu Beginn der Frühen Neuzeit weitete sich das Weltbild, neue Seewege und unbekannte Kontinente wurden entdeckt und in Karten und Globen vermerkt. Das Fragment einer Weltkarte für das Handelshaus der Welser in Augsburg von 1530 zeigte, dass Kaufleute die Tragweite dieser neuen Erkenntnisse schnell erkannten. Zu sehen waren auch prächtig gestaltete Einbände von Werken über fremde Welten und Kulturen aus den Privatbibliotheken humanistisch gebildeter Gelehrter und Fürsten.

Erdglobus. Kupferstich von Gerhard Mercator, 1541. Bayerische Staatsbibliothek.

Das 16. Jahrhundert war auch ein Jahrhundert des wissenschaftlichen Aufbruchs: Nikolaus Kopernikus‘ Abhandlung „De Revolutionibus Orbium Coelestium“ über seine umwälzende Erkenntnis, dass die Sonne und nicht die Erde im Zentrum des damals bekannten Universums steht, wird ebenso gezeigt wie der prächtig illustrierte Himmelsatlas von Andreas Cellarius oder Gerhard Mercators detailreiche Erd- und Himmelsgloben (1541).

Gott, die Welt und Bayern – 100 Kostbarkeiten aus den regionalen Staatlichen Bibliotheken Bayerns:

I. Mittelalterliche Handschriften und Drucke bis zur Reformation

II. Aus Orient und Okzident. Bücher, Karten, Globen des 16. und 17. Jahrhunderts

III. Krieg und Frieden, Freud und Leid. Sammelobjekte des 17. bis 20. Jahrhunderts

Die Ausstellung „Gott, die Welt und Bayern – 100 Kostbarkeiten aus den regionalen Staatlichen Bibliotheken Bayerns“ zeigt noch bis 7. Juli 2019 Bestandshighlights der zehn regionalen Staatlichen Bibliotheken in Bayern erstmals vereint in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Die Staatlichen Bibliotheken Bayerns

Die zehn regionalen Staatlichen Bibliotheken Bayerns sind der Bayerischen Staatsbibliothek in München unmittelbar nachgeordnet. Zu ihnen zählen die Staatlichen Bibliotheken in Amberg, Ansbach, Neuburg an der Donau, Passau und Regensburg sowie die Hofbibliothek Aschaffenburg, die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, die Staatsbibliothek Bamberg, die Landesbibliothek Coburg und die Studienbibliothek Dillingen. Als wissenschaftliche Bibliotheken dienen sie der Informations- und Literaturversorgung sowie der Sicherung, Erhaltung und Pflege wertvoller historischer Bestände. Die Bibliotheken verwahren wertvolle Handschriften und Frühdrucke, herausragende Sondersammlungen und bedeutende Nachlässe. Sie erfüllen eine wesentliche kulturpolitische Funktion, indem sie für jeweils eine bestimmte Region zuständig sind und Publikationen, die dort entstanden sind oder einen inhaltlichen Bezug zur Region haben, möglichst vollständig sammeln.

Informationen zur Ausstellung, zu Führungen und zum Begleitprogramm finden Sie auf der Internetseite der Bayerischen Staatsbibliothek.

Begleitend zur Ausstellung finden Sie online auch eine virtuelle Ausstellung, die einen ersten Einblick in die Vielfalt der Ausstellungsstücke gibt.

Zum 500. Geburtstag Gerhard Mercators veröffentlichte der Spiegel eine spannende Reportage.

Planet Wissen erzählt Ihnen mehr über das Leben und Wirken des Nikolaus Kopernikus.

Mehr über Christoph Cellarius erfahren Sie in der Deutschen Biographie.