Klage aus dem Alten Ägypten

Einer der ältesten griechischen Papyrustexte ist seit dem 18. Mai 2021 im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek ausgestellt: “Die Klage der Artemisia”, ein außergewöhnlicher Papyrus aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Das besondere Objekt” wurde der Text per Online-Wahl ermittelt. Ein Video zu der interessanten Geschichte des Objekts ist hier abrufbar.

Im Rahmen der Reihe “Das besondere Objekt” zeigt die Österreichische Nationalbibliothek Highlights aus ihren Beständen, die aus konservatorischen Gründen nur höchst selten präsentiert werden können. Die Objekte werden von einem breiten Publikum online ausgewählt und für jeweils zwei Monate – zusätzlich zur Sonderausstellung “Die Donau” – im Prunksaal ausgestellt.

Die Klage der Artemisia © Österreichische Nationalbibliothek.

Das aktuelle besondere Objekt stammt aus der Papyrussammlung: Artemisia, eine in Memphis lebende Griechin des 4. vorchristlichen Jahrhunderts, klagt in dem Papyrus über den Vater ihrer verstorbenen Tochter. Dieser hatte dem Mädchen ein Grab verweigert und dadurch ihr jenseitiges Leben in Gefahr gebracht. Zur Strafe ruft Artemisia ein ägyptisches Gottesgericht an: Die Götter sollen auch dem Vater sein Grab verwehren und ihn und sein Vermögen schädigen. Der außergewöhnliche Text enthält Elemente eines Fluches, verzichtet aber auf jede Magie, er ähnelt dadurch einer gerichtlichen Klage. Artemisia richtet ihr Schreiben jedoch nicht an ein irdisches Gericht, denn die Tat des Vaters war nicht rechtswidrig. Umso eindringlicher fällt ihre Klage an das Göttertribunal aus.

Das Publikum darf mitbestimmen

Unter dem Thema “Beziehungskrisen. Klagen und Beschwerden aus dem alten Ägypten” stellten sich im Januar 2021 drei antike Papyri zur Wahl, die Freud und Leid persönlicher Beziehungen vor rund 2.000 Jahren erfahrbar machen. “Die Klage der Artemisia” konnte sich bei dieser Abstimmung gegen “Orakelfrage: Soll ich heiraten?” und “Beschwerdebrief einer Ehefrau” durchsetzen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Juli 2021 zu sehen.

 

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Hier finden Sie Besucherinformationen für den Prunksaal der ÖNB.

Interessierte können ab dem 19. Juli an der neuen Online-Wahl zum “besonderen Objekt” teilnehmen.

Unsere Ausstellung, die dem Thema „Recht und Gerechtigkeit“ in bibliophilen Büchern nachspürt, ist aktuell im MoneyMuseum in Zürich sowie online auf Bookophile zu sehen.