„Hilaria evangelica“: Pilotprojekt zum Reformationsjubiläum in Gotha

Titelblatt Hilaria Evangelica. © Forschungsbibliothek Gotha

Ist der Anschlag der 95 Thesen Luthers an die Tür der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517 Dichtung oder Wahrheit? Diese Frage bleibt umstritten. Fakt ist, dass die frühesten Darstellungen des heute gemeinhin bekannten Motivs von Luther mit dem Hammer erst im Zusammenhang mit dem 200jährigen Jubiläum der Reformation 1717 entstanden. Abgebildet sind sie in der umfassenden Dokumentation der Jubiläumsfeierlichkeiten, die der Gothaer Kirchenrat und Bibliotheksdirektor Ernst Salomon Cyprian (1673–1745) 1719 unter dem Titel „Hilaria evangelica“ (evangelische Festtage) herausgab.

Die digitale Ausstellung der Forschungsbibliothek Gotha widmet sich diesem monumentalen Werk. Seine Entstehung lässt sich heute auf der Grundlage einer 19-bändigen Handschriftensammlung mit Briefen und Dokumenten aus lutherischen Städten und Gebieten des Alten Reiches und anderen Teilen Europas aufs Genaueste nachvollziehen. Die Ausstellung erläutert anhand von Handschriften, Alten Drucken, Medaillen und Grafiken auch politische und wissenschaftsgeschichtliche Besonderheiten des Jubiläums sowie verschiedene Formen der kirchlichen und akademischen Feierlichkeiten. Weitere Zugänge zum Reformationsjubiläum bieten wissenschaftliche Kurzbeiträge aus dem Bereich der Politik-, Kirchen-, Bildungs- und Musikgeschichte sowie der Fest- und visuellen Kultur.

Medaille von Christian Wermuth, die Luther im Portrait und beim Thesenanschlag zeigt. © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

© Forschungsbibliothek Gotha

Die Ausstellung „Hilaria evangelica“: Das Reformationsjubiläum von 1717 in Europa ist das Pilotprojekt des digitalen Ausstellungsportals der Forschungsbibliothek Gotha. Sie ist im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts zum Ausbau der Forschungsbibliothek Gotha zur Forschungs- und Studienstätte für die Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit Gotha entstanden. Sie begleitet gleichzeitig das Erschließungsprojekt der Bibliothek zum Nachlass des Gelehrten und renommierten lutherischen Kirchenhistorikers Ernst Salomon Cyprian (1673–1745). Seine Aktivitäten etablierten Gotha seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als ein frühes Zentrum der protestantischen Geschichtsschreibung im Alten Reich. Die Ausstellung widmet sich einer von Cyprian im Auftrag des Herzoghauses Sachsen-Gotha-Altenburg zusammengestellten monumentalen Dokumentation der Feierlichkeiten, die in den protestantischen Territorien innerhalb und außerhalb des Alten Reiches rund um das 200. Reformationsjubiläum 1717 stattfanden. Es gilt damit als eines der zentralen Werke der protestantischen Erinnerungskultur.

Kurator der Ausstellung ist Dr. Daniel Gehrt.

 

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