Handschriften aus dem Kloster Weißenburg

Erstmals widmet sich eine Ausstellung der Entwicklung und den Highlights des Weißenburger Skriptoriums und gewährt zugleich einen Einblick in das liturgische Leben und die Riten der Benediktinermönche. Leuchtendes Wort. Sprechendes Bild wurde am Sonntag, 16. Februar, um 11.30 Uhr mit einführenden Worten von Norbert Kössinger, Otto-von-Guerike-Universität Magdeburg, und den Kuratorinnen Patrizia Carmassi und Stefanie Westphal in der Bibliotheca Augusta eröffnet.

Die Handschriften des elsässischen Benediktinerklosters St. Peter und Paul in Weißenburg (Wissembourg) zeugen von regem Wissensaustausch, künstlerischen Impulsen und innovativen Ideen. Leuchtendes Wort. Sprechendes Bild rückt die künstlerische Tätigkeit der Klosterschreibstube Weißenburg in den Jahren 800 bis 870 in den Blick. Das Skriptorium fiel nicht nur durch einen modernen Stil, sondern auch durch den modernen Standard der Auslegung biblischer Texte auf. Darüber hinaus geben die Handschriften des Klosters, die 1689 als nahezu geschlossener Bestand in den Besitz der Wolfenbütteler Bibliothek gelangten, Einblicke in das liturgische Leben der Mönche und die Riten der Gemeinschaft.

Die künstlerische Tätigkeit des Skriptoriums, das ab der Mitte des 8. Jahrhunderts vom fränkischen Königshaus gefördert wurde, zeigt sich sehr heterogen. Bis 830 schmückten fantasievolle Blüten und Blattmotive die Seiten der Handschriften, die in den regionalen Traditionen verwurzelt sind. In den darauffolgenden Jahren verzichteten die Schreiber zunehmend auf Buchschmuck. Sie entwickelten stattdessen ein ausgewogenes Schriftbild mit gliedernden Auszeichnungsschriften. Im 2. Viertel des 9. Jahrhunderts erfolgte mit farblich kontrastreichen Initialen ein einmaliger, größerer künstlerischer Impuls aus dem Kloster Fulda. In Anlehnung an die Buchmalerei aus St. Gallen und der Reichenau wurden Flechtbandinitialen und Goldauftrag verwendet. Von 845 bis 870 stand dem Skriptorium der Dichter und Mönch Otfrid von Weißenburg vor, der unter anderem eine berühmte Evangelienharmonie verfasste, Kontakte zu anderen Klöstern unterhielt und die Buchproduktion förderte, die deutlich anstieg.

Vor allem überführte Otfrid von Weißenburg die bis dahin vorhandenen exegetischen Quellen in ein neues handschriftliches Layout, einen Text mit Glossenapparat. Diese Form sollte von da an für alle biblischen Bücher gelten und für die Ausbildung der Mönche benutzt werden. So erlauben die Exponate auch Einblicke in das tägliche Leben der Mönche, den Gottesdienst, die Produktion literarischer Texte und das Studium der Bibel im Kloster. Einige erhaltene Stücke, Fragmente in Einbänden, Ausleihvermerke oder Predigtsammlungen ermöglichen die Rekonstruktion des liturgischen Lebens. Für die theologische Ausbildung und die Grundlagen der Bibelexegese, also der Auslegung von biblischen Texten, wurden in Weißenburg im 9. Jahrhundert aufwendige Abschriften von Kirchenväterliteratur erstellt.

Die Ausstellung Leuchtendes Wort. Sprechendes Bild ist vom 16. Februar bis 1. Juni 2020 in den musealen Räumen der Bibliotheca Augusta zu sehen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr (ab April bis 17 Uhr)

 

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Ottfrid von Weißenburg ist der erste namentlich bekannte althochdeutsche Dichter.

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