Goethe – Bildungsversatzstück oder Teil der deutschen Seele?

Johann Wolfgang Goethe ist der weltweit bekannteste Dichter deutscher Sprache. Die erste große Ausstellung seit 25 Jahren veranschaulicht vom 17. Mai bis 15. September 2019 Goethes Werk und seine Biografie im Horizont der frühen Moderne sowie die einzigartige Rezeptionsgeschichte seines Wirkens. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Bundeskunsthalle und der Klassik Stiftung Weimar in Kooperation mit dem Freien Deutschen Hochstift, Frankfurt a. M., dem Goethe-Museum Düsseldorf und dem Museum Casa di Goethe, Rom. Sie steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Ausstellungsansicht. Foto: Simon Vogel, 2019. © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH.

Bereits zu Lebzeiten erstreckte sich Goethes Ruhm über ganz Europa. Seine literarischen Werke wurden in unzählige Sprachen übersetzt, und Figuren wie Werther oder Faust eroberten alle Kunstgattungen und sämtliche Sparten der Populärkultur. Wie kein zweiter Dichter seiner Zeit hat Goethe jene Veränderungen reflektiert, die um 1800 die politischen, ökonomischen und kulturellen Fundamente Europas erschütterten. Er war aber nicht nur ein kritischer Beobachter der anbrechenden Moderne, sondern zugleich ein äußerst wandlungsfähiger Künstler, der bis heute Schriftsteller, Maler und Bildhauer sowie Komponisten, Fotografen und Filmregisseure inspiriert.

Ausstellungsansicht. Foto: Simon Vogel, 2019. © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH.

Neben Malerei, Skulptur, Grafik und Fotografie werden auch Theater, Film und Musik eine wichtige Rolle spielen. Die groß angelegte Schau versammelt ca. 250 Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit. Mit Werken von Caspar David Friedrich, Auguste Rodin, William Turner und Angelika Kauffmann über Piet Mondrian und Paul Klee bis hin zu Cy Twombly, Andy Warhol, Barbara Klemm und Ólafur Elíasson reicht die Perspektive der Ausstellung vom späten 18./frühen 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Die wechselvolle Rezeptionsgeschichte seines Werkes wie auch seiner Person bildet einen wichtigen Ausgangspunkt für Fragen nach der Aktualität Goethes, der diese Ausstellung nachgeht.

Rein Wolfs, der Intendant der Bundeskunsthalle, betont: „Die Ausstellung widmet sich nicht nur dem Leben Goethes und damit der epochengeschichtlichen Zäsur um 1800, sondern auch jener wechselvollen Wirkungsgeschichte, die das facettenreiche Werk des Dichters durchlaufen hat. Das Interesse an Goethe ist weiterhin groß, wie die aktuellen Debatten zum West-östlichen Divan beispielhaft vor Augen führen.“

Ausstellungsansicht. Foto: Simon Vogel, 2019. © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH.

In neun Kapiteln erschließt die Ausstellung Goethes Leben und Werk sowie den Epochen-Horizont seiner Zeit – von 1749, dem Jahr seiner Geburt, bis zu seinem Tod im Jahr 1832. Zentrale biografische Wendepunkte und Ereignisse sowie einige seiner bekanntesten Werke bilden den Fokus der Ausstellung. Gleichzeitig spielt der Blick auf das Zeitgeschehen eine zentrale Rolle: Die großen Ideenkomplexe und die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche liefern dafür nicht nur den zeitlichen Hintergrund, sondern spiegeln die maßgeblichen Fragestellungen der Zeit, mit denen Goethe sich intensiv auseinandergesetzt hat.

Die eigens für die Ausstellung geschaffenen Gärten Goethes auf dem Dach der Bundeskunsthalle spiegeln das lebenslange Interesse des Dichters an Gärten, Natur und Botanik. Der Dachgarten begleitet die große Ausstellung Goethe. Verwandlung der Welt.

Die Ausstellung findet in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn statt.

Begleitend zur Ausstellung erschien die Publikation Goethe. Verwandlung der Welt, herausgegeben von der Bundeskunsthalle und der Klassik Stiftung Weimar.

Außerdem gibt es diesen Videobeitrag zur Ausstellung.

Dass selbst die Populärkultur von heute nicht an Goethe vorbeikommt, demonstriert der Titel des erfolgreichsten deutschen Kinofilms des Jahres 2013, Fack ju Göhte, zu dem Sie auf youtube den Trailer sehen können.

Dass Goethe durchaus seine Ecken und Kanten hatte, wird nirgendwo deutlicher als in seinem Gedicht „Prometheus“.