PARALLHLA EN BIOIS ELLHNWNTE KAI RWMAIWN

Plutarch
Basel
1533
Verlegt bei Andreas Cratander und Johann Bebel in Basel, 1533.
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PARALLHLA EN BIOIS ELLHNWNTE KAI RWMAIWN

Essay von

Jurg Conzett

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Die 1533 erschienene griechische Ausgabe der Parallela en Biois Hellenon te kai Romaion (Parallelbiographien der Griechen und Römer) von Plutarch gehört zu den bedeutendsten Buchveröffentlichungen der Renaissance. Obwohl der griechische Philosoph und Schriftsteller Plutarch bereits um das Jahr 100 n. Chr. lebte, erlebten seine Werke im 16. Jahrhundert eine eindrucksvolle Wiederentdeckung. Humanisten suchten nach den Quellen der antiken Kultur und wollten die Originaltexte möglichst unverfälscht lesen. Die Ausgabe von 1533 steht beispielhaft für diese Rückkehr zu den Ursprüngen des europäischen Denkens.

Plutarch wurde um 45 n. Chr. in Chaironeia in Griechenland geboren und wirkte als Philosoph, Priester und Schriftsteller. Sein bekanntestes Werk sind die Parallelbiographien, in denen er jeweils einen bedeutenden Griechen einem bedeutenden Römer gegenüberstellt. So vergleicht er etwa Alexander den Grossen mit Julius Caesar, Demosthenes mit Cicero oder Lykurg mit Numa Pompilius. Ziel dieser Gegenüberstellungen ist jedoch nicht die vollständige historische Darstellung eines Lebens, sondern der Vergleich von Charakter, Tugend und moralischem Handeln.

Für Plutarch ist Geschichte in erster Linie eine Schule des Lebens. Berühmt ist seine Bemerkung, dass oft eine kleine Tat oder ein beiläufiges Wort mehr über den Charakter eines Menschen verrate als grosse Schlachten oder politische Entscheidungen. Deshalb richtet sich sein Interesse weniger auf Jahreszahlen oder militärische Abläufe als auf die Persönlichkeit seiner Figuren. Welche Eigenschaften führten zum Erfolg? Welche Schwächen verursachten den Niedergang? Aus den Biographien sollen die Leser lernen, ihr eigenes Leben klüger zu gestalten.

Gerade diese Verbindung von Geschichte und Ethik machte das Werk während der Renaissance so einflussreich. Humanisten wie Erasmus von Rotterdam oder Jacques Amyot sahen in Plutarch einen Lehrer politischer Weisheit. Seine Biographien wurden in ganz Europa gelesen und dienten Fürsten, Gelehrten und Staatsmännern als Vorbilder. Auch William Shakespeare griff vielfach auf Plutarch zurück. Seine Dramen Julius Caesar, Antonius und Cleopatra sowie Coriolanus beruhen in wesentlichen Teilen auf den Lebensbeschreibungen des griechischen Autors. Plutarch prägte damit nicht nur die Geschichtsschreibung, sondern ebenso die europäische Literatur.

Die Ausgabe von 1533 besitzt darüber hinaus eine besondere buchgeschichtliche Bedeutung. Der Buchdruck hatte sich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts rasant entwickelt und machte erstmals eine breite Verbreitung griechischer Originaltexte möglich. Zuvor waren viele antike Werke nur in wenigen Handschriften oder lateinischen Übersetzungen zugänglich. Gedruckte griechische Editionen ermöglichten es den Gelehrten, direkt mit den ursprünglichen Texten zu arbeiten. Sie wurden zu einem Fundament der humanistischen Bildung und der wissenschaftlichen Philologie.

Auch politisch sind die Parallelbiographien bis heute bemerkenswert. Plutarch zeigt, dass gute Institutionen allein nicht ausreichen. Entscheidend bleibt der Charakter der Menschen, die Verantwortung tragen. Macht verlangt Selbstbeherrschung, Gerechtigkeit und Klugheit. Ehrgeiz kann Grosses hervorbringen, aber ebenso zur Selbstzerstörung führen. Diese Fragen beschäftigen moderne Demokratien ebenso wie die antiken Stadtstaaten und die Römische Republik.

Die Parallelbiographien sind deshalb weit mehr als eine Sammlung antiker Lebensgeschichten. Sie verbinden historische Erzählung mit philosophischer Reflexion und machen deutlich, dass Geschichte immer auch eine Auseinandersetzung mit menschlichem Verhalten ist. Die Ausgabe von 1533 dokumentiert den entscheidenden Moment, in dem das Wissen der Antike durch den Buchdruck einer neuen europäischen Öffentlichkeit zugänglich wurde. Ihr Einfluss auf Geschichtsschreibung, Literatur, politische Theorie und Bildung reicht bis in die Gegenwart und macht Plutarch zu einem der dauerhaft wirkungsmächtigsten Autoren der europäischen Geistesgeschichte.

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© 2023 Dr. Ursula Kampmann, Kuratorin der Büchersammlung MoneyMuseum
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