L'Ambassade de la Compagnie Orientale des Provinces Unies vers l'Empereur de la Chine

Joan Nieuhoff
Leyden
1665
Publiziert von Jean de Meurs 1665 in Leyden, französische Übersetzung des niederländischen Originals von 1663
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L'Ambassade de la Compagnie Orientale des Provinces Unies vers l'Empereur de la Chine

Essay von

Jurg Conzett

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Mit L'Ambassade de la Compagnie Orientale des Provinces Unies vers l'Empereur de la Chine veröffentlichte der niederländische Reisende Joan Nieuhoff 1665 eines der einflussreichsten China-Bücher des 17. Jahrhunderts. Das Werk schildert die Gesandtschaft der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) an den Kaiser der Qing-Dynastie in den Jahren 1655 bis 1657. Es verbindet einen detaillierten Reisebericht mit zahlreichen Illustrationen und Beschreibungen von Städten, Landschaften, Menschen und Bräuchen. Für viele europäische Leser war es die erste umfassende und vergleichsweise zuverlässige Darstellung Chinas und prägte das europäische Chinabild über Generationen.

Die Mission hatte ein klares wirtschaftliches Ziel. Die Niederländische Ostindien-Kompanie wollte direkten Zugang zum chinesischen Markt erhalten und Handelsprivilegien erwerben. China war für Europa von ausserordentlichem Interesse. Seide, Porzellan, Tee, Lackarbeiten und andere Luxusgüter erfreuten sich wachsender Nachfrage. Während Portugal bereits Handelssstützpunkte besass und andere europäische Mächte um Einfluss konkurrierten, hoffte die VOC auf eine offizielle Öffnung des chinesischen Reiches. Die Gesandtschaft unter Pieter de Goyer und Jacob de Keyser blieb politisch zwar weitgehend erfolglos, doch die Reise selbst lieferte eine Fülle von Informationen über ein Land, das den meisten Europäern kaum bekannt war.

Joan Nieuhoff begleitete die Expedition als Mitglied der Delegation. Sein besonderes Verdienst liegt in der genauen Beobachtung. Im Unterschied zu vielen früheren Reiseberichten verzichtet er weitgehend auf fantastische Erzählungen über Fabelwesen oder sagenhafte Reichtümer. Stattdessen beschreibt er Architektur, Landwirtschaft, Flüsse, Kanäle, Verwaltung, Kleidung und Alltagsleben mit bemerkenswerter Präzision. Seine Schilderungen vermitteln den Eindruck einer hochentwickelten Gesellschaft mit einer leistungsfähigen Bürokratie und einer beeindruckenden Infrastruktur.

Berühmt wurde das Werk vor allem durch seine zahlreichen Kupferstiche. Sie zeigen Tempel, Paläste, Brücken, Schiffe, Städte und Landschaften in ausserordentlicher Detailtreue. Obwohl manche Abbildungen später künstlerisch überarbeitet wurden, galten sie lange Zeit als die authentischsten Darstellungen Chinas in Europa. Viele spätere Bücher übernahmen diese Illustrationen, wodurch Nieuhoffs Blick auf China das europäische Vorstellungsbild nachhaltig prägte.

Das Werk macht zugleich deutlich, wie eng Wissen und Handel miteinander verbunden waren. Für die Ostindien-Kompanien war geographisches und kulturelles Wissen kein Selbstzweck. Wer erfolgreich handeln wollte, musste Verkehrswege kennen, politische Verhältnisse verstehen und die Regeln des Hofes beachten. Reiseberichte wurden deshalb zu wirtschaftlichen Instrumenten. Sie halfen Kaufleuten, Diplomaten und Regierungen, Chancen und Risiken fremder Märkte einzuschätzen.

Gleichzeitig offenbart das Buch die Grenzen europäischer Einflussköglichkeiten. Die chinesische Regierung betrachtete die europäischen Gesandtschaften nicht als gleichrangige diplomatische Partner, sondern als Besucher innerhalb der bestehenden chinesischen Weltordnung. Das sogenannte Tributsystem beruhte auf der Vorstellung, dass der Kaiser im Zentrum der zivilisierten Welt stand. Diese unterschiedlichen Vorstellungen internationaler Beziehungen führten immer wieder zu Missverständnissen. Nieuhoffs Bericht dokumentiert daher nicht nur eine Reise, sondern auch die Begegnung zweier politischer und kultureller Ordnungen.

Aus heutiger Sicht besitzt L'Ambassade de la Compagnie Orientale des Provinces Unies vers l'Empereur de la Chine einen hohen historischen Wert. Es zeigt Europa in einer Phase wachsender globaler Vernetzung und China auf dem Höhepunkt seiner frühneuzeitlichen Stärke. Das Werk verbindet Entdeckungsreise, Wirtschaftsinteresse und ethnographische Beobachtung zu einem eindrucksvollen Zeugnis der frühen Globalisierung. Es erinnert daran, dass Handel stets mehr ist als der Austausch von Waren: Er bringt Kulturen miteinander in Kontakt, erweitert Wissen und verändert den Blick auf die Welt – auch wenn gegenseitiges Verständnis oft schwieriger zu erreichen ist als wirtschaftlicher Austausch.

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© 2023 Dr. Ursula Kampmann, Kuratorin der Büchersammlung MoneyMuseum
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