Jacques Savary: Der vollkommene Kauff- und Handels-Mann, Oder allgemeiner Unterricht Alles, was zum Gewerb und Handlung allerhand beydes Frantzösischer und Außländischer Kauff-Wahren gehört.

Jacques Savary
Genf
1676
Deutsche Erstausgabe, verlegt bei Johann Hermann Widerhold in Genf, 1676.
Save as PDFZurück

Jacques Savary: Der vollkommene Kauff- und Handels-Mann, Oder allgemeiner Unterricht Alles, was zum Gewerb und Handlung allerhand beydes Frantzösischer und Außländischer Kauff-Wahren gehört.

Essay von

Jurg Conzett

Example H2
H3

Heading

No items found.
This is some text inside of a div block.
This is some text inside of a div block.
This is some text inside of a div block.

Jacques Savarys Werk Der vollkommene Kauff- und Handels-Mann zählt zu den bedeutendsten Handelbüchern der frühen Neuzeit. Die deutsche Ausgabe von 1676 basiert auf dem französischen Original Le Parfait Négociant und entstand in einer Zeit, in der sich Europa wirtschaftlich tiefgreifend wandelte. Der Fernhandel nahm stark zu, Kolonialwaren gelangten in immer grösserem Umfang nach Europa, Banken entwickelten neue Finanzinstrumente, und der Kaufmann wurde zu einer Schlüsselgur der entstehenden Marktwirtschaft. Savarys Buch war weit mehr als ein praktisches Nachschlagewerk – es war eine umfassende Anleitung für verantwortungsvolles wirtschaftliches Handeln.

Das Werk richtet sich an Kaufleute, die im internationalen Handel tätig waren. Es behandelt nahezu alle Bereiche des Geschäftslebens: Buchhaltung, Vertragsrecht, Wechselgeschäfte, Versicherungen, Transport, Zollfragen, Handelskorrespondenz sowie die Eigenschaften und Herkunft verschiedenster Waren. Gleichzeitig erklärt Savary die wirtschaftlichen Gepflogenheiten unterschiedlicher Länder und Handelsplätze. Damit entstand eines der ersten systematischen Handbsücher des modernen Handels.

Bemerkenswert ist die Verbindung von praktischem Wissen und moralischer Verantwortung. Für Savary genügt es nicht, Geschäfte erfolgreich abzuschliessen. Ein guter Kaufmann zeichnet sich ebenso durch Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit aus. Kredit basiert letztlich auf Vertrauen, und Vertrauen entsteht nur durch einen tadellosen Ruf. Diese Überzeugung war in einer Zeit ohne zentrale Banken oder umfassende staatliche Aufsicht von existenzieller Bedeutung. Wer seinen guten Namen verlor, verlor häufig auch seine wirtschaftliche Existenz.

Savary beschreibt den Kaufmann daher als gebildeten Menschen. Er soll Sprachen beherrschen, fremde Kulturen kennen, Preise vergleichen, Risiken einschätzen und politische Entwicklungen verfolgen. Handel verlangt Neugier, Disziplin und Urteilsvermögen. Der erfolgreiche Händler verbindet kaufmännische Fähigkeiten mit einer breiten Allgemeinbildung. Diese Vorstellung prägt das Berufsbild des Kaufmanns bis weit ins 18. Jahrhundert.

Das Buch entstand im Frankreich Ludwigs XIV. unter dem Einfluss des Finanzministers Jean-Baptiste Colbert. Dessen Wirtschaftspolitik, der sogenannte Merkantilismus, wollte den Wohlstand des Staates durch Exportförderung, Qualitätsstandards und eine starke Handelsflotte erhöhen. Savarys Werk unterstützt diese Politik, indem es Regeln für einen leistungsfähigen und international konkurrenzfähigen Handel vermittelt. Es zeigt eindrucksvoll, wie eng wirtschaftlicher Erfolg und staatliche Ordnung damals miteinander verbunden wurden.

Heute wirkt manches Detail des Buches historisch. Viele beschriebene Waren, Handelswege oder Zollbestimmungen existieren längst nicht mehr. Dennoch bleiben zahlreiche Grundgedanken erstaunlich aktuell. Internationale Lieferketten, Wechselkurse, Transportkosten, Vertragsrecht oder die Bedeutung verlässlicher Informationen beschäftigen Unternehmen auch im 21. Jahrhundert. Ebenso aktuell ist Savarys Betonung von Reputation und Vertrauen. In einer globalisierten Wirtschaft entscheiden Glaubwürdigkeit, Transparenz und langfristige Beziehungen weiterhin über den Erfolg.

Aus Sicht der Geld- und Wirtschaftsgeschichte markiert Savarys Werk einen wichtigen Entwicklungsschritt. Es dokumentiert den Übergang von einer lokalen Tauschwirtschaft zu einem europaweit vernetzten Handels- und Kreditsystem. Geld erscheint nicht mehr nur als Zahlungsmittel, sondern als Grundlage komplexer wirtschaftlicher Beziehungen. Wechsel, Kredit und Buchführung ermöglichen Geschäfte über grosse Entfernungen und lange Zeiträume hinweg. Der Kaufmann wird zum Organisator dieser neuen Wirtschaftsordnung.

Der vollkommene Kauff- und Handels-Mann ist deshalb weit mehr als ein historisches Lehrbuch. Es vermittelt ein Menschenbild, in dem wirtschaftlicher Erfolg, Wissen und moralische Integrität untrennbar miteinander verbunden sind. Gerade in einer Zeit digitaler Märkte und globaler Finanzströme erinnert Savary daran, dass funktionierende Märkte letztlich auf Vertrauen beruhen – einer Ressource, die damals wie heute kostbarer ist als jede Ware.

No items found.
Bücher aus der Sammlung
In Zusammenarbeit mit
HomeNewsletteranmeldungDatenschutzerklärungImpressumCookie Einstellungen
© 2023 Dr. Ursula Kampmann, Kuratorin der Büchersammlung MoneyMuseum
© 2023 Dr. Ursula Kampmann, Kuratorin der Büchersammlung MoneyMuseum
Externe Links zum Thema
Was Sie sonst noch interessieren könnte
This is some text inside of a div block.
This is some text inside of a div block.