Als Charles de Secondat, Baron de Montesquieu, 1748 sein Hauptwerk De l'esprit des loix veröffentlichte, veränderte er das politische Denken Europas grundlegend. Bereits ein Jahr später erschien die Ausgabe von 1749, die zur raschen Verbreitung eines Werkes beitrug, das bis heute als einer der wichtigsten Texte der politischen Philosophie gilt. Montesquieu fragte nicht, welche Gesetze ideal seien, sondern warum verschiedene Gesellschaften unterschiedliche Gesetze hervorbringen und unter welchen Bedingungen sie Freiheit ermöglichen.
Der Titel lässt sich mit „Vom Geist der Gesetze“ übersetzen. Damit meinte Montesquieu nicht einzelne Rechtsvorschriften, sondern die Gesamtheit der Kräfte, die eine Rechtsordnung prägen. Gesetze entstehen seiner Ansicht nach nie im luftleeren Raum. Sie stehen in Beziehung zur Verfassung eines Staates, zu seinen Sitten und Gebräuchen, zur Religion, zum Klima, zur Wirtschaftsweise, zum Handel und zur Geschichte eines Volkes. Gute Gesetze müssen deshalb zu den konkreten Lebensverhältnissen einer Gesellschaft passen.
Diese vergleichende Perspektive war für das 18. Jahrhundert revolutionär. Anstatt allgemeingültige Regeln aufzustellen, untersuchte Montesquieu unterschiedlichste Staatsformen – von der antiken Republik über die europäische Monarchie bis hin zu asiatischen Reichen. Er sammelte historische Beispiele und versuchte, daraus allgemeine Zusammenhänge abzuleiten. Damit wurde er zu einem der Begründer der vergleichenden Politikwissenschaft und Soziologie.
Sein bekanntester Beitrag ist die Lehre von der Gewaltenteilung. Montesquieu unterschied zwischen gesetzgebender, ausführender und richterlicher Gewalt. Werden alle drei Funktionen in einer Hand vereint, droht Willkür. Freiheit kann nur bestehen, wenn sich die Gewalten gegenseitig kontrollieren und begrenzen. Diese Idee beeinflusste die Verfassungen vieler moderner Staaten nachhaltig. Besonders die Verfassung der Vereinigten Staaten und zahlreiche europäische Verfassungen greifen dieses Prinzip auf.
Montesquieu widmete dem Handel besondere Aufmerksamkeit. Er war überzeugt, dass wirtschaftlicher Austausch nicht nur Wohlstand schafft, sondern auch friedensfördernd wirkt. Der Handel zwingt Menschen unterschiedlicher Herkunft zur Zusammenarbeit und begünstigt Mäßigung und gegenseitigen Respekt. Damit verband er wirtschaftliche Freiheit mit politischer Stabilität – ein Gedanke, der später für die Entwicklung liberaler Wirtschaftsordnungen von großer Bedeutung wurde.
Nicht alle Überlegungen des Werkes werden heute unverändert übernommen. Seine sogenannte Klimatheorie, nach der Klima und Umwelt das Verhalten ganzer Völker beeinflussen, erscheint aus heutiger Sicht vereinfachend und teilweise problematisch. Dennoch war auch dieser Ansatz Ausdruck seines Bemühens, politische Ordnungen nicht allein moralisch, sondern wissenschaftlich zu erklären. Montesquieu suchte nach Ursachen gesellschaftlicher Unterschiede und eröffnete damit neue Wege des politischen Denkens.
Eine Ausgabe von 1749 besitzt auch bibliophilen Reiz. Gedruckt im Zeitalter der Aufklärung, steht sie für eine Epoche, in der Bücher zum wichtigsten Medium neuer Ideen wurden. Die sorgfältige Typografie, der hochwertige Druck und die mehrbändigen Ausgaben spiegeln den hohen Anspruch wider, wissenschaftliche Erkenntnis dauerhaft zu bewahren und einem gebildeten Publikum zugänglich zu machen.
