Beschreibung der Burgundischen Kriege

Diebold Schilling
Bern
1743
Verlegt in Bern bei Franz Samuel Fetscherin, 1743.
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Beschreibung der Burgundischen Kriege

Essay von

Jurg Conzett

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Diebold Schilling und die Burgunderkriege – Die Erstausgabe von 1743

Die 1743 erschienene Beschreibung der Burgundischen Kriege macht eines der bedeutendsten Kapitel der Schweizer Geschichte einem Publikum der Aufklärung erneut zugänglich. Das Werk geht auf die berühmte Chronik des Berner Stadtschreibers Diebold Schilling zurück, der die Ereignisse des späten 15. Jahrhunderts nahezu als Zeitzeuge festhielt. Zwar entstand Schillings ursprüngliche Chronik bereits kurz nach den Burgunderkriegen (1474–1477), doch die gedruckte Ausgabe von 1743 zeigt eindrucksvoll, wie lebendig das Interesse an diesen Ereignissen auch Jahrhunderte später geblieben war. Sie verbindet historische Erinnerung mit politischer Selbstvergewisserung und gehört zu den wichtigen Werken der eidgenössischen Geschichtsschreibung.

Die Burgunderkriege markieren einen Wendepunkt in der Geschichte der Alten Eidgenossenschaft. Herzog Karl der Kühne von Burgund gehörte zu den mächtigsten Fürsten Europas und verfolgte das Ziel, zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich ein zusammenhängendes Großreich zu errichten. Dem standen die Interessen der Eidgenossen entgegen, die ihre politische Selbstständigkeit und ihre Handelswege sichern wollten. In den Schlachten von Grandson, Murten und Nancy erlitt das burgundische Heer vernichtende Niederlagen. Der Tod Karls des Kühnen im Jahr 1477 beendete nicht nur seine Expansionspläne, sondern stärkte auch das Ansehen der Eidgenossenschaft weit über ihre Grenzen hinaus.

Diebold Schilling schildert diese Ereignisse mit großer Anschaulichkeit. Seine Chronik verbindet historische Darstellung mit erzählerischer Kraft. Feldzuge, Ratsversammlungen und Schlachten werden ebenso ausführlich beschrieben wie einzelne Persönlichkeiten und ihre Entscheidungen. Besonders eindrucksvoll ist die Verbindung von Text und Bild. Die reich illustrierten Handschriften Schillings gehören zu den bedeutendsten Bildquellen des ausgehenden Mittelalters. Sie zeigen Waffen, Kleidung, Städte und militärische Formationen mit erstaunlicher Detailtreue und prägen bis heute unser Bild der Burgunderkriege.

Die Ausgabe von 1743 entstand in einer Zeit, in der sich die Eidgenossenschaft zunehmend für ihre eigene Vergangenheit interessierte. Historische Werke dienten nicht allein der Wissensvermittlung, sondern auch der politischen Identitätsbildung. Die Erinnerung an den Sieg über einen der mächtigsten Fürsten Europas wurde zum Symbol für Zusammenhalt, Wehrhaftigkeit und Freiheitswillen. Schillings Chronik lieferte dafür die historische Grundlage. Die Neuauflage machte diese Erzählung einer neuen Lesergeneration zugänglich und trug dazu bei, das kollektive Gedächtnis der Eidgenossenschaft zu festigen.

Auch wirtschaftsgeschichtlich besitzen die Burgunderkriege große Bedeutung. Die Kriegsbeute aus Grandson und Murten war außerordentlich umfangreich. Gold- und Silbergeschirr, Waffen, Stoffe, Schmuck und Münzen gelangten in den Besitz der Sieger. Diese Schätze wurden nicht nur verteilt oder verkauft, sondern beeinflussten auch den Wohlstand einzelner Orte. Zugleich machten sie deutlich, welche wirtschaftlichen Ressourcen hinter der Macht spätmittelalterlicher Fürsten standen. Krieg war immer auch ein Kampf um Reichtum, Handelswege und politische Kontrolle.

Aus heutiger Sicht ist die Beschreibung der Burgundischen Kriege weit mehr als ein Bericht über militärische Erfolge. Sie eröffnet einen Einblick in das politische Denken des Spätmittelalters, in die Entstehung historischer Erinnerung und in die Bedeutung von Geschichte für die Identität eines Gemeinwesens. Schillings Werk zeigt, wie aus einzelnen Ereignissen nationale Erzählungen entstehen, die Generationen überdauern. Gerade deshalb besitzt die Ausgabe von 1743 bleibenden Wert. Sie bewahrt nicht nur die Erinnerung an die Burgunderkriege, sondern dokumentiert zugleich, wie Geschichte immer wieder neu gelesen, gedeutet und für die Gegenwart fruchtbar gemacht wird.

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© 2023 Dr. Ursula Kampmann, Kuratorin der Büchersammlung MoneyMuseum
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