Die virtuelle Welt der Bücher

Natürlich kann sich der Buchliebhaber an sich sowieso gut in seinen eigenen vier Wänden beschäftigen. Dennoch trifft die Einschränkung des öffentlichen Lebens natürlich auch uns: Bibliotheken und Museen sind geschlossen, Ausstellungen werden verschoben. Deshalb haben wir für Sie einige digitale Angebote von Bibliotheken und Museen zusammengesucht, die Ihnen in von Zuhause die weite Welt der Bücher zugänglich macht. Die Auswahl an solchen digitalen Angeboten hat in den letzten Jahren rapide zugenommen. Vielleicht bietet diese Zeit des Daheimbleibens eine gute Chance, diese Angebote wahrzunehmen und nachzuholen, was man so verpasst hat.

Sechs Seiten des Codex Dresdensis, thematisiert in der Onlineausstellung der SLUB Dresden auf der Seite der Deutschen Digitalen Bibliothek.

 

Online Ausstellungen auf Deutsch

Ausstellungen im Internet haben so ihre Vor- und Nachteile. Natürlich fehlt die haptische Erfahrung des Originals und der Ausstellungsräume. Aber, sind wir mal ehrlich: Originale darf man in Museen ja sowieso meistens nicht anfassen.

Auf der pro-Seite steht, dass man sich die Ausstellungen von Bibliotheken und Museen aus der ganzen Welt bequem von zuhause ansehen kann – gerade in der jetzigen Zeit natürlich der große Vorteil. Online-Ausstellungen haben sich in den letzten Jahren auf vielen Websites von Kulturinstitutionen fest etabliert und bieten für jeden etwas.

Die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel hat schon sehr früh – 2002 – mit Internet-Ausstellungen angefangen. Die sind optisch 18 Jahre später natürlich nicht mehr sehr frisch, aber inhaltlich fundiert. Wir empfehlen „Reformstau im 15. Jahrhundert? Kirche und Welt vor der Reformation“ von 2011.

Auf der generell sehr zu empfehlenden Seite der Deutschen Digitalen Bibliothek, auf der Abermillionen Digitalisate zugänglich sind, finden sich einige interesante Ausstellungen. Gerade in den letzten Wochen sind einige neue hinzugekommen. Wir empfehlen zum Beispiel diese hier, die sich mit der ältesten erhaltenen Maya-Handschrift Welt in der SLUB Dresden auseinandersetzt.

Auch die Staatsbibliothek Berlin fährt auf ihrer Website zahlreiche virtuelle Ausstellungen auf. Die Themenvielfalt ist dabei groß – ob Sie sich für medizinische Handschriften aus China interessieren, für den Umgang von Kinderbüchern mit dem Thema Krieg oder dafür, was Leute so in ausgeliehenen Bibliotheksbüchern zurücklassen.

Die Seite bavarikon.de bietet, wie der Name vermuten lässt, Ausstellungen mit Bezug zur bayrischen Geschichte. Bücherfreunde dürften vor allem die Ausstellungen zur „Regensburger Buchmalerei der Renaissance“ und über „Bayerische Literatur in 10 Jahrhunderten“ ansprechen.

Seite aus dem Brevier von Martin von Aragon, Französische Nationalbibliothek. Aus der Ausstellung „Royal Book Collections“ auf Europeana.

 

Online-Ausstellungen auf Englisch

Die Europeana, so etwas wie der internationale große Bruder der Deutschen Digitalen Bibliothek, bietet ebenfalls Millionen Digitalisate aus Kultureinrichtungen in ganz Europa. Hier finden sich bisher 47 Ausstellungen in englischer Sprache, von denen einige mit der Welt der Bücher zu tun haben. Besonders interessant finden wir diese, in der bedeutende königliche Buchsammlungen Europas virtuell wieder zusammenfinden und “The Rise of Literacy in Europe”, in der es um die Geschichte der Alphabetisierung in Europa geht.

Die Website der British Library ist eine unglaublich reiche Quelle. Hier finden sich englischsprachige Online-Ausstellungen und Artikel zu sehr vielen Themen. Besonders die Kategorie: „Discovering Literature“ legen wir Ihnen nahe, wenn Sie sich für britische Literaturgeschichte erwärmen können.

Die Bibliotheken der Smothinonian Institution in Washington D.C. bieten viele Ausstellungen auf der Website. Besonders gut gefallen hat uns „Fantastic Worlds – Science and Fiction 1780-1910.“ Auch spannend und mal etwas anderes: „Czech Book Covers oft he 1920s and 1930s“, eine Online-Ausstellung zum Design von Tschechoslowakischen Bücherumschlägen der 1920er und -30er Jahre.

Die Seite der Cambridge-Universitätsbibliothek hat sehr viele spannende Ausstellungen zu ganz unterschiedlichen Themen zu bieten. Eine Auswahl der Themen: Der Renaissancedrucker Aldus Manutius, dies Mythifizierung vom Tod des Captain Cook, die Schlacht von Waterloo in Büchern, die frühneuzeitliche Praxis der Fumigation des weiblichen Schoßes (!), französische Handschriften des Mittelalters in Cambridge und Interpretationen von Don Quixote. Durchstöbern lohnt!

Die prächtige Admonter Stiftsbibliothek in Österreich. © Jorge Royan CC BY-SA 3.0

Die virtuelle Bibliotheksbesichtigung

Nicht nur das Buch an sich ist etwas Schönes: Bibliotheksräume haben ebenso ihre Anziehungskraft und sind schwerer zu digitalisieren als ein Buch. Möglich ist es trotzdem, „virtuelle Rundgänge“ durch dreidimensionale Bilder werden inzwischen gern angeboten.

Wie wäre es etwa mit einem „Rundgang“ durch den prächtigen Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek in der Wiener Hofburg?

Bei einem virtuellen Besuch der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar können Sie etwas machen, was Sie bei einem realen Besuch nicht machen könnten – per Knopfdruck begeben Sie sich auf eine Zeitreise und können zwischen dem jetzigen Zustand, dem Zustand vor dem verheerenden Brand von 2004 und- erschütternd- direkt nach dem Brand hin und herwechseln.

Wir empfehlen Ihnen auch, auf der Seite der Stifts Admont in der Steiermark vorbeizuschauen. Die dortige barocke Klosterbibliothek ist die größte der Welt und gehört klar auch zu den schönsten. Kürzlich wurde angekündigt, in wenigen Tagen ein umfangreiches virtuelles Besichtigungsangebot zu starten, das digitale Führungen – die sogar mit Virtual-Reality-Brille möglich sein sollen – und vieles mehr umfasst. Im Gegensatz zu allen anderen Angeboten, die wir Ihnen in diesem Artikel präsentieren, wird hier eine Gebühr verlangt – die allerdings mit 1,49€ für die dauerhafte Nutzung völlig angemessen ausfällt.

Auch das berühmte Bibliothekssaal des Clementinums, des ehemaligen Jesuitenkollegs in Prag, kann online besichtigt werde – und das übrigens wesentlich besser als vor Ort in Prag, wo man selbst bei einer Besichtigung nur seinen Kopf in den Saal stecken, ihn aber nicht betreten darf!

Über Google Arts and Culture können zahlreiche weitere Bibliotheksräume „begangen werden“, etwa die große Bibliothek im Nationalpalast Portugals in Mafra.

 

Was es sonst noch gibt

Bleiben wir noch bei Google Arts and Culture. Das dortige Angebot rund um Bücher ist generell riesig. Scrollen Sie sich hier einmal hier durch – Sie finden unter den zahllosen Möglichkeiten ganz bestimmt etwas, was Ihnen zusagt.

Das Digitale bietet die Möglichkeit, Bestände zusammenzuführen, die einst zusammengehörten, heute aber getrennt sind. So geschehen etwa bei einer der bedeutendsten Büchersammlungen der Welt, der Bibliotheca Palatina. Seit Jahrhunderten zerrissen, wurde sie nun in einem Projekt digital wieder zusammengeführt. Über das Projekt, Geschichte der Sammlung sowie über Themen wie Buchmalerei oder einzelne Bücher der Sammlung wie den legendären Codex Manesse erfahren sie auf der Website des Projektes mehr.

Die Vatikanische Apostolische Bibliothek, nicht zuletzt wegen Dan Browns Romanen dem Ruf nach so etwas wie die Area 51 der Bücherwelt, hat in den letzten Jahren erstaunliche Mengen an Beständen digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ob dabei einige geheime Schriften übersprungen wurden? Dazu möchten wir uns hier nicht äußern.

Sie sehen, auch vom heimischen Computer gibt es enorme Möglichkeiten, ganz in die Welt der Bücher abzutauchen. Dabei war das nur eine kleine Auswahl der Möglichkeiten, die sich dem Freund des Buches im Internet bietet. Wir hoffen, auch für Sie war etwas dabei.