Die Geheimnisse der Meisterorgelbauer

Nach der spektakulären Erwerbung des Reisetagebuchs von Johann Andreas Silbermann im Jahr 2014 gelang es der SLUB mit Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung weitere zentrale Handschriften des Straßburger Orgelbauers und Neffen von Gottfried Silbermann anzukaufen. Die Handschriften befanden sich vor dem Erwerb bei einem süddeutschen Auktionshaus durchgängig in Privatbesitz.

 

Aus dem Silbermann-Archiv: Paris, Notre Dame, Orgel von Francois Thierry (1733) – Zeichnung von Johan Daniel Kamm © SLUB Dresden, Ramona Ahlers-Bergner.

Das zwischen den 1720er und 1780er Jahren angelegte sogenannte „Silbermann-Archiv“ ist eine Fundgrube für Kultur und Wissenschaft und dokumentiert das Familienwissen zum Orgelbau. Johann Andreas Silbermann, dessen Neugierde und Leidenschaft für den Instrumentenbau auf praktisch jeder Seite der sechs Bände spürbar ist, legte eigenhändige Beschreibungen zu 35 Orgeln seines Vaters, des ursprünglich aus Sachsen stammenden Andreas Silbermann, an, beschrieb 31 Instrumente, die er selbst gebaut hatte, und trug Details zu knapp 250 Instrumenten aus ganz Europa zusammen. In dem Band „Von den Orgelmachern“ vereint Silbermann biographische Notizen zu gut 180 Kollegen, äußert Wertschätzung und Kritik und schildert persönliche Begegnungen. Hier offenbart sich Silbermanns Charakter und sprüht sein Humor. Ein Band mit dezidierten Geschäftsnotizen gibt detaillierte Auskünfte zu adäquaten Materialien und deren Kosten sowie zu handwerklichen Tätigkeiten. Eingeklebte Briefe, technische Skizzen oder Kupferstiche zeigen, wie Silbermann sein Wissen sammelte.

Die in Mitteldeutschland und dem Elsass ansässige Silbermann-Dynastie prägte den Orgelbau des 18. Jahrhunderts. Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch sagt: „Das durch die SLUB erworbene sogenannte Silbermann-Archiv ist eine zentrale Quelle zum Orgelbau des 18. Jahrhunderts, in der das Wissen von Johann Andreas Silbermann und seiner Familie anschaulich dokumentiert ist. Es spiegelt nicht nur elsässische, sondern auch sächsische Handwerkstraditionen und ist damit in der SLUB und in Sachsen als Land des Orgel- und Instrumentenbaus optimal aufbewahrt.

Aussagen zu Orgeln in Salzburg, Paris, Amsterdam, Florenz und vielen weiteren Städten, belegen das europäische Netzwerk der Familie Silbermann und ihre Neugierde, unterschiedliche Ausprägungen des Orgelbaus kennenzulernen. Ich freue mich, dass die SLUB die Neuerwerbung mit dem heutigen Tag auch bereits digital zur Verfügung stellt und damit allen Interessierten weltweit unmittelbar zugänglich macht.“

Dr. Achim Bonte, Generaldirektor der SLUB, zur Pressekonferenz am 15. Juni 2020 © SLUB Dresden, Ramona Ahlers-Bergner.

Dr. Achim Bonte, Generaldirektor der SLUB: „Orgelbau und Orgelmusik sind Bestandteil der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Sächsische Orgelbauer wirkten schul- und stilbildend für den Orgelbau. Es ist von unschätzbarem Wert für die Wissenschaft, dass wir nun beide Quellen, Silbermann-Tagebuch und Archiv, gemeinsam und dauerhaft in öffentlichem Besitz haben. Ich danke allen Partnern, die dazu beitrugen, diese wichtigen Quellen zu sichern.“

Zahlreiche Instrumente des mitteldeutschen Raums hat Silbermann 1741 selbst auf seiner viermonatigen „sächsischen Reise“ inspiziert. Sie wurden in seinem Reisetagebuch nur kurz erwähnt, im Silbermann-Archiv finden sich nun die ausführlichen Darstellungen. Die aktuelle Erwerbung ist deshalb eine wichtige Ergänzung, um die weitere wissenschaftliche Aufarbeitung voranzutreiben.

„Nur wenige Jahre nach dem Erwerb des Reisetagebuchs Johann Andreas Silbermanns beteiligt sich die Ernst von Siemens Kunststiftung an einem weiteren wichtigen Ankauf: Der zweite Band des Silbermann Archivs ist für die erwerbende Kunststiftung von besonderem Interesse, da er eine große Anzahl an detaillierten Orgelzeichnungen enthält.“, freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Das zwischen den 1720er und 1780er Jahren angelegte sogenannte „Silbermann-Archiv“ ist eine Fundgrube für Kultur und Wissenschaft und dokumentiert das Familienwissen zum Orgelbau. © SLUB Dresden, Ramona Ahlers-Bergner.

Das Silbermann-Tagebuch, ein mit Zeichnungen und Zeitungsausschnitten reich ausgestattetes Notizbuch, hatte die SLUB 2014 bei Sotheby’s ersteigert. Darin schildert Johann Andreas Silbermann eine Rundreise im Jahr 1741, die ihn von Straßburg über Frankfurt durch die mitteldeutschen Residenzstädte bis nach Berlin und zurück führte. Er beschreibt die bedeutendsten Orgeln Mitteldeutschlands und notiert sorgfältig seine Beobachtungen zum musikalischen Leben im heutigen Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin.

 

Was Sie sonst noch interessieren könnte

Hier erreichen Sie das digitale Silbermann-Archiv.

Die Pressekonferenz können Sie auf Youtube nachschauen.

Hier finden Sie einen Podcast der Kulturstiftung der Länder zu der Erwerbung des Silbermann-Nachlasses.

Das 2014 von der SLUB erworbene Reisetagebuch finden Sie hier, weitere ausführliche Informationen dazu außerdem hier.

Und wie so eine Silbermann-Orgel in Aktion klingt, können Sie sich zum Beispiel auf Youtube anhören.