Deutsches Romantik-Museum eröffnet in Frankfurt

Foyer im Deutschen Romantik-Museum – Architektur: MÄCKLERARCHITEKTEN © Freies Deutsches Hochstift, Foto: Alexander Paul Englert.

Rund zehn Jahre hat das Team des Freien Deutschen Hochstifts an der Realisierung des Deutschen Romantik-Museums gearbeitet. Am 14. September 2021 hat das Deutsche Romantik-Museum seine Türen für das Publikum geöffnet. Das neue Museum präsentiert die Goethe-Galerie mit seinen zahlreichen Gemälden sowie auf zwei Stockwerken in 35 Stationen einzigartige Originale der Romantik mit innovativen Ausstellungsformen, die diese Zeit als Schlüsselepoche erfahrbar machen. Es ist weltweit das erste Museum, das sich der Epoche der deutschsprachigen Romantik als Ganzes widmet. Im Dialog mit dem benachbarten Goethe-Haus sind Manuskripte, Graphik, Gemälde und Gebrauchsgegenstände zu sehen. Das Deutsche Romantik-Museum bietet eine multimediale – im romantischen Sinn synästhetische – Umsetzung von Ideen, Werken und Personenkonstellationen. Goethe selbst wird dabei in ein neues Licht gerückt.

Die Ouvertüre zu Robert Schumanns ‚Szenen aus Goethes Faust‘ in der Handschrift des Komponisten (2. Fassung), Klavierauszug (1853) © Freies Deutsches Hochstift, Foto: Axel Schneider.

Wertvolle Handschriften und Gemälde

Grundlage für dieses Museum ist die einzigartige Sammlung zur Literatur der deutschen Romantik, die in den vergangenen 100 Jahren vom Freien Deutschen Hochstift, dem Träger des Frankfurter Goethe-Hauses, zusammengetragen wurde. Im Hochstift finden sich die international umfangreichsten und vielseitigsten Bestände zu den literarischen Schlüsselfiguren der Epoche. Zu den wertvollen Schätzen zählen u. a. – neben Handschriften von Clemens und Bettine Brentano, Novalis und den Brüdern Schlegel – Joseph von Eichendorffs handschriftlicher Entwurf zu einem der berühmtesten Gedichte der deutschen Romantik ‚Wünschelrute’‚ das Manuskript von Ludwig Tiecks Novelle ‚Des Lebens Überfluss’ und Robert Schumanns eigenhändige Kompositionsentwürfe zu seinen ‚Szenen aus Goethes Faust’. Dazu kommen so bekannte Gemälde wie Caspar David Friedrichs ‚Der Abendstern’, Johann Heinrich Füsslis ‚Der Nachtmahr‘, Bilder von Carl Gustav Carus, Graphiken von Philipp Otto Runge u. v. m.

Romantik-Ausstellung, Station ‚Physik als Kunst. Johann Wilhelm Ritter experimentiert mit Strom und Licht‘ – Ausstellungsgestaltung: Sounds of Silence; Interaktive Medienexponate: MESO Digital Interiors; Lichtkonzept: atelier deLuxe © Freies Deutsches Hochstift, Foto: Alexander Paul Englert.

Dauerausstellung zur Deutschen Romantik

Die Dauerausstellung erstreckt sich über zwei Stockwerke und stellt in 35 Stationen eine Schlüsselepoche der deutschen Kulturgeschichte vor. Die Anordnung orientiert sich an der historischen Chronologie, gibt aber keine zwingende Reihenfolge für den Besuch vor. Im Mittelpunkt jeder Station stehen ausgewählte Stücke aus den Sammlungen des Freien Deutschen Hochstifts.

Die lange Epoche der Romantik erstreckt sich bis weit in das 19. Jahrhundert. Die Jahre der Besetzung durch Napoleons Truppen und die damit einhergehende Verordnung fremden Rechts beförderten in den deutschsprachigen Ländern die Rückwendung zur eigenen Geschichte und zum Mittelalter. In ganz Europa verstärkte sich der Wunsch nach unabhängigen Nationalstaaten. Die Hoffnung vieler Intellektueller, dass sich nach den sogenannten ‚Freiheitskriegen‘ (1813 – 1815) nun auch die politischen Verhältnisse weiter mitgestalten lassen würden, erfüllte sich jedoch nicht. Die Regierungen verschärften die Zensur. Viele Vertreter der Romantik begannen die Zielsetzungen ihres Schreibens zu ändern. In dieser Zeit entstanden unter Beteiligung Madame de Staëls die ersten Übersetzungen romantischer Kunstprogramme, wodurch diese auch außerhalb des deutschen Sprachraums diskutiert wurden. In vielen europäischen Ländern stießen die neuen Ideen auf verwandte Tendenzen, die von den englischen und französischen Wegbereitern der neuen Epoche ausgegangen waren. Zugleich erschienen im deutschsprachigen Raum die ersten größeren Werke Joseph von Eichendorffs. Die Erzählungen und Gedichte dieses Dichters prägen unsere Vorstellungen von romantischer Literatur bis heute. Für die internationale Rezeption der deutschen Romantik spielten dagegen vor allem die Werke Goethes, E.T.A. Hoffmanns und Heines eine wichtige Rolle.

Nach dem literarischen Beginn der Epoche nahmen zuerst die Maler und Malerinnen, dann auch die Komponisten und Komponistinnen Themen und Motive der Romantik auf und verliehen ihr eine bis heute anhaltende weltweite Popularität. Eine besondere Rolle spielte Bettine von Arnim: anknüpfend an frühromantische Fragmente von Novalis griff sie direkt ein in die politischen Debatten der 1840er Jahre.

Die letzte Station der Ausstellung ist mit Robert Schumanns ‚Szenen aus Goethes Faust‘ einem Höhepunkt der musikalischen Goethe-Rezeption gewidmet. Sie bietet Einblicke in die Entstehung dieses Schlüsselwerks der deutschen Romantik.

Goethe-Galerie im 1. OG: Italienraum. Lichtkonzept: atelier deLuxe © Freies Deutsches Hochstift, Foto: Alexander Paul Englert.

Goethe Galerie

Johann Wolfgang Goethe wurde 1749 am Großen Hirschgraben in Frankfurt geboren. Er gilt in Deutschland vor allem als Vertreter des Sturm und Drang und der Klassik, im europäischen Ausland dagegen als wichtigster deutschsprachiger Dichter der Romantik. Von Kindheit an war dem Dichter auch die bildende Kunst wesentlicher Bestandteil seines Lebens, und auch hier war sein Horizont weit: Das „sonnenhafte“ Auge, das Sehen und Anschauen waren für Goethe grundlegende Kategorien der Welterfassung, Farbe und Licht Gegenstand seiner naturwissenschaftlichen Forschungen. Er war Zeichner und Kunstsammler, beschäftigte sich – nicht zuletzt als Italienreisender – mit der Antike, der Renaissance und dem Klassizismus und versuchte mit den „Weimarer Kunstfreunden“ Einfluss auf die zeitgenössische Kunst zu nehmen.

Seit seiner Gründung 1859 sammelt das Freie Deutsche Hochstift Kunst. Die Gemäldesammlung wurde mit spezifischem Bezug zu Goethe und seiner Zeit aufgebaut und konzentriert sich daher auf den Zeitraum zwischen der Mitte des 18. und des 19. Jahrhunderts. Im Deutschen Romantik-Museum bildet die Goethe- Galerie den Übergang zwischen Goethes Geburtshaus und der Romantik-Ausstellung. Sie schlägt den Bogen von Werken des 18. Jahrhunderts aus dem Frankfurter Umkreis, wie Goethe sie im Elternhaus kennenlernte, bis in das 19. Jahrhundert. Sie versammelt u.a. Gemälde des exzentrischen Schweizers Johann Heinrich Füssli, Porträts von Anton Graff, der dem Zeitalter ein neues Gesicht gab, Italienansichten Johann Philipp Hackerts und Bildnisse Angelica Kauffmanns. Werke Caspar David Friedrichs, Carl Gustav Carus’, Carl Blechens oder Johann Christian Clausen Dahls, Malern der Romantik, mit denen sich Goethe intensiv auseinandersetzte, sind im Gemäldekabinett der Romantik-Ausstellung im 3. Stockwerk zu sehen.

Die Sammlung präsentiert damit nicht allein Goethes eigene Vorlieben und Kenntnisse von der Kunst seiner Zeit, nicht nur Porträts des Dichters und seines Umfeldes und Gemälde, die sich mit seinem Werk auseinandersetzen. Vielmehr schenkt sie einen konzentrierten Einblick in 100 Jahre Kunstgeschichte und zeigt die Kontinuitäten und Brüche, die die Künste an der Epochenschwelle um 1800 und somit am Beginn der Moderne charakterisieren.

 

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