Der Pfad zur Erleuchtung

Das Chester Beatty Museum stellt derzeit seine außergewöhnliche Sammlung thailändisch-buddhistischer Manuskripte aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus. In dieser Sonderausstellung werden ausgewählte Stücke dieser wunderschön illustrierten Bücher gezeigt, die die seltene Möglichkeit bieten, die von ihnen dargestellten buddhistischen Erzählungen zu entdecken.

Ausschnitte aus dem Pali-Kanon (Tipitaka) und der Geschichte von Phra Malai. Thailand, spätes 19. Jahrhundert. © Trustees of the Chester Beatty Library, Dublin.

Eine Art Bilderbibel für Buddhisten

Mönche nutzten herrlich dekorierte Manuskripte im Leporello-Stil als Lehrmittel und zum Chanten während religiöser Zeremonien. Viele dieser Bücher wurden nach dem Tod eines Angehörigen in Auftrag gegeben und dem Tempel anschließend gespendet. Dadurch erwarben die Spendenden, die Verstorbenen und diejenigen, die das Manuskript anfertigten, religiöse Verdienste.

Einige der bekanntesten buddhistischen Erzählungen, die in den Büchern thematisiert werden, sind die Geburtsgeschichten des Buddhas und die Legende des Mönchs Phra Malai. Sie werden in Form von farbenprächtigen Illustrationen neben den Texten der heiligen Schriften dargestellt.

Die letzten zehn Leben des Buddhas

Buddha hatte viele vorherige Leben, doch die Geschichten über seine letzten zehn Leben sind in der thailändischen Kultur von besonderer Bedeutung. Die als „Jatakas“ oder „Geburtsgeschichten“ bekannten Erzählungen berichten von Buddhas moralischer Entwicklung über unzählige Inkarnationen hinweg, im Laufe derer er die zehn Perfektionen erreichte, die notwendig sind, um Buddha zu werden. Bekannte Szenen dieser Geschichten werden in thailändischen Faltbüchern des 18. und 19. Jahrhunderts dargestellt. Sie treten als Bild-Paare auf, die die Passagen des heiligen Textes flankieren.

Das Leben des historischen Buddhas wurde nur selten in thailändischen Faltbüchern dargestellt, doch das Museum hat verschiedene Beispiele, die Szenen aus seinem Leben bevor und nachdem er zum Buddha wurde zeigen.

Szenen aus der Geschichte des Mönchs Phra Malai. Thailand, 18. Jahrhundert. © Trustees of the Chester Beatty Library, Dublin.

Ein Mönch namens Phra Malai

Die Legende eines Mönchs namens Phra Malai ist eine der Geschichten, die am häufigsten in den illustrierten thailändischen Faltbüchern des 19. Jahrhunderts dargestellt wurden. Mithilfe von Kräften, die er durch Meditation und religiöse Verdienste erlange hatte, besuchte der fromme Mönch Phra Malai Himmel und Hölle. Als er auf die Erde zurückkehrte, berichtetet er, was er gesehen hatte.

Die Geschichte wurde oft im Rahmen von Totenwachen rezitiert. Die detaillierten Beschreibungen von Hölle und Himmel dienten als kraftvolle Erinnerungen daran, dass die Taten im jetzigen Leben das nächste Leben bestimmen.

Illustrierte Faltbücher wurden in Thailand bis ins frühe 20. Jahrhundert hergestellt. Die Einführung günstiger Drucktechniken führte jedoch dazu, dass ihre Produktion in den 1920er Jahren vollständig zum Stillstand gekommen war. Diese wunderschönen Bücher erlauben uns, einen einzigartigen Blick auf das Erbe des thailändischen Buddhismus zu werfen. Sie zeigen uns kostbare Geschichten und bewahren die Hingabe Ihrer Verfasser und der Gemeinschaften, die sie nutzten.

 

Betreut wird die Ausstellung von Laura Muldowney, einer Forscherin der Ost-Asien-Sammlung des Museums.

Die Ausstellung im Chester Beatty Museum wird von der Robert H. N. Ho Family Foundation unterstützt.

 

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Mehr über die Ausstellung und Begleitveranstaltungen erfahren Sie auf der Website des Chester Beatty Museum. Auf der Website können Sie sogar einen Schritt in die Ausstellung wagen und eine virtuelle Tour durch die Galerie machen.

Hier können Sie die digitalisierte Version eines illustrierten Manuskripts der Phra Malai Geschichte ansehen.

Eine Münzserie von Singapur thematisierte vor Kurzem das Motiv des Buddhas. In diesem englischen Artikel der MünzenWoche erfahren Sie mehr darüber.

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