Der Codex Kentmanus: Natur erforschen im 16. Jahrhundert

Codex Kentmanus, Quappe, Digitalisat, ©Klassik Stiftung Weimar.

Im Themenjahr 2021 „Neue Natur“ widmet sich die Herzogin Anna Amalia Bibliothek einem mehr als 400 Jahre alten Dokument naturkundlicher Forschung. Der sogenannte Codex Kentmanus aus der Handschriftensammlung der Bibliothek enthält Manuskripte der sächsischen Ärzte Johannes und Theophil Kentmann mit ca. 450 ganzseitigen Illustrationen von Pflanzen und Tieren. Er gehört damit zu den umfangreichsten naturkundlichen Bildersammlungen des 16. Jahrhunderts und vermittelt zudem einen Einblick in das Gelehrtennetzwerk der damaligen Zeit.

Der aus Dresden stammende Johannes Kentmann (1518-1574) praktizierte als Stadtarzt in Meißen und Torgau. Sein Sohn Theophil (1552-1610), in Meißen geboren, praktizierte als Arzt in Torgau und Halle. Beide verband ein besonderes Interesse für botanische Themen, welches aus dem medizinisch-pharmakologischen Studium der Heilpflanzen herrührte, jedoch weit über dieses hinausging. Johannes Kentmann legte außerdem eine umfangreiche Mineraliensammlung an und beschäftigte sich mit der Tierwelt der Elbregion um Meißen. Die Präsentation stellt den Kodex anhand ausgewählter Reproduktionen vor. Sie zeigen Zeichnungen von Pflanzen, die in Italien entstanden, und Naturselbstdrucke einheimischer Heilpflanzen, die zu den ältesten Beispielen für die Anwendung dieser Illustrationstechnik gehören. Vorgestellt wird außerdem ein Werk über die um 1550 in der Elbe lebenden Fischarten, das als die früheste Fauna eines deutschen Gewässers gilt.

Ergänzend vermittelt eine Medienstation digitale Inhalte zum Codex Kentmanus. Die Buchbinderei der Bibliothek stellt außerdem den Naturselbstdruck aus heutiger Perspektive vor, in der Anwendung als künstlerisches Gestaltungsmittel. Dabei erhalten die Besucher*innen Gelegenheit, selbst einen kleinen Pflanzenabdruck anzufertigen und als Postkarte mit nach Hause zu nehmen.

Die Präsentation ist zudem als virtuelle Ausstellung zu erleben.

Codex Kentmanus, Lachryma Job, Hiobsträne fol. 55v, Digitalisat, ©Klassik Stiftung Weimar.

Am 23. Juni 2021, sprach PD Dr. Dominic Olariu im Rahmen der Präsentation „Land. Fluss. Kentmanus. Natur erforschen im 16. Jahrhundert“ über den Codex. Fokus seines Vortrags waren Abbildungen des Wasserschierlings, die beispielhaft für die Entwicklung der Botanik von der frühen Pflanzenkunde zur eigenständigen Disziplin als Lehre von den Pflanzen stehen. Der Vortrag wurde aufgezeichnet und ist ab dem 30. Juni auf dem YouTube-Kanal der Klassik Stiftung Weimar abrufbar.

Ausstellungsdaten

Land. Fluss. Kentmanus. Natur erforschen im 16. Jahrhundert
Noch bis 1. November 2021
Mo-Fr 9-20 Uhr
Sa 9-17 Uhr
Herzogin Anna Amalia Bibliothek | Studienzentrum
Platz der Demokratie 4 | 99423 Weimar
Der Eintritt ist frei.

 

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Hier geht es zur virtuellen Ausstellung „Land. Fluss. Kentmanus. Natur erforschen im 16. Jahrhundert“.

Hier finden Sie das Digitalisat des Codex Kentmanus.

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