„Das alte lebendige Encyclopädische Dicktionair“ – Ausstellung zu Christian Wilhelm Büttner in Weimar

Vom 11. September bis 20. Dezember 2020 präsentiert das Goethe- und Schiller-Archiv erstmals den handschriftlichen Nachlass Christian Wilhelm Büttners (1716–1801). Der Forscher und Sammler galt zu Lebzeiten als so umfassend gebildet, dass Johann Wolfgang von Goethe ihn „das alte lebendige Encyclopädische Dicktionair“ nannte. Anhand von Briefen, Manuskripten, pflanzlichen Proben und vielem mehr zeigt die Ausstellung einen ungewöhnlichen Gelehrten der Aufklärung, der nach allgemeinen Gesetzmäßigkeiten in der Natur, in Kulturen und Sprachen suchte.

Die Ausstellung „Alphabete der Natur. Der Sammler Christian Wilhelm Büttner“ ist Teil der Weimarer Kontroversen 2020 „Die Macht der Sprache“. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung spiegelt das breite Forschungs- und Sammelspektrum Büttners wider. Handschriftliche Tabellen mit Vorarbeiten für ein Universalalphabet oder ein vergleichendes Wörterbuch, das 1.000 Wörter in 300 Sprachen abbilden sollte, zeugen sowohl von beeindruckenden Sprachkenntnissen als auch von einer immensen Akribie in Büttners Forschungstätigkeit. Bedingt durch sein Interesse für sprachwissenschaftliche Fragestellungen sammelte Büttner zudem Handschriften aus verschiedensten Kulturkreisen, beispielsweise äthiopische, mongolische und tibetische Blätter. Auch ein Druck zur traditionellen chinesischen Medizin aus dem 17. Jahrhundert findet sich in Büttners Nachlass. Sein zweites großes Forschungsfeld, die Naturgeschichte, ist durch sein Herbar repräsentiert. Zudem zeigen einige Vorarbeiten, dass Büttner an einer eigenen Pflanzensystematik arbeitete. Beispielen aus seinem Münzkabinett, seiner ethnologischen Sammlung und aus seiner erhaltenen Korrespondenz runden das Bild eines außerordentlich vielseitig interessierten Gelehrten ab.

Als ältester Sohn des Wolfenbütteler Hofapothekers eignete sich Christian Wilhelm Büttner früh ein umfassendes naturwissenschaftliches Wissen an, das er in zahlreichen Reisen vertiefte. Obwohl er nie ein Studium abschloss, erhielt er im Jahr 1755 allein aufgrund seiner erworbenen Kenntnisse von der Universität Göttingen den Titel eines Magisters. 1758 wurde er zum außerordentlichen und 1763 zum ordentlichen Professor der Philosophischen Fakultät ernannt. Nach zehn weiteren Jahren hatte sich Büttner bei der Erweiterung seiner Sammlungen allerdings derart verschuldet, dass er sein Kabinett an die Universität Göttingen verkaufen musste. Seine bedeutende Bibliothek erwarb Herzog Carl August von Sachsen-Weimar und Eisenach, der Büttner schließlich 1783 mitsamt den Büchern nach Jena holte. Während seiner letzten 18 Lebensjahre stand Christian Wilhelm Büttner in ständigem wissenschaftlichen Austausch mit den Jenaer Professoren und auch mit Goethe.

Christian Wilhelm Büttner steht an der Schwelle vom neuzeitlichen Universalgelehrten, der das vorhandene Wissen kompiliert, zum modernen Forscher, der neues Wissen erschließt. Von Zeitgenossen wurde er zwar für seine Neugierde und breitgefächerten natur- und sprachwissenschaftlichen Kenntnisse geschätzt – die er ebenso wie seine Sammlung Kollegen uneigennützig zur Verfügung stellte. Zugleich belächelte man aber seine mangelnde Weltgewandtheit, seinen mäandernden Gedanken- und Redefluss sowie seine Unfähigkeit, Forschungen zum Abschluss zu bringen und Ergebnisse zu veröffentlichen.

Die Ausstellung des handschriftlichen Nachlasses Christian Wilhelm Büttners aus dem Goethe- und Schiller-Archiv wird ergänzt durch Leihgaben aus vier unterschiedlichen Sammlungen der Universität Göttingen sowie Drucke der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena.

 

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Die Ausstellung ist bis zum 20. Dezember im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar zu sehen.

Termine von Vorträgen und Kurator*innenführungen finden Sie auf der Seite der Klassikstiftung Weimar.

Wikipedia weiß mehr zu Christian Wilhelm Büttners Leben.