Chinesisches Gelehrtentum in Leipzig

Update: Die Deutsche Nationalbibliothek wie auch das Deutsche Buch- und Schriftmuseum bleiben bis auf weiteres geschlossen. Nähere Informationen hier.

Türen mit Schriftzeichen aus dem chinesischem Gelehrtenhaus, China, vor 1914. Foto: PUNCTUM / Bertram Kober, CC-BY-SA 3.0 DE.

 

Die Ausstellung „Grillenkäfig und Wasserpfeife: Das chinesische Gelehrtenhaus – Kulturexport um 1900 “ des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek präsentiert Objekte aus der Welt des traditionellen chinesischen Gelehrtentums. Sie waren während der Weltausstellung des Buches 1914 in Leipzig zu sehen und führen die kulturelle Neugier und die Lebhaftigkeit des internationalen Kulturtransfers am Anfang des 20. Jahrhunderts vor Augen. Die Ausstellung wurde am 3. März 2020 um 19:30 Uhr eröffnet.

Mit dem EU-China-Gipfel und der Konferenz der European Association for Chinese Studies ist China 2020 in Leipzig sehr präsent. In diesem Kontext zeigt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum eine Ausstellung, die sich einem seltenen Kulturexport aus Südostasien widmet: dem 1914 auf der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik (Bugra) in Leipzig präsentierten Chinesischen Gelehrtenhaus. Die detailreiche Ausstattung des Holzhauses, das eine Schenkung der chinesischen Botschaft in Berlin an die Weltausstellung der Buchstadt Leipzig war, gibt beredt Auskunft über Idee und Praxis des traditionellen Gelehrtentums in China.

Das Chinesische Gelehrtenhaus bestand aus drei Räumen: einem Schreibzimmer, einem Musikzimmer und einem Wohnzimmer. Es war mit zahlreichen Objekten aus der Welt des traditionellen chinesischen Gelehrtentums bestückt. Ob Wasserpfeife, Schreibgerät oder Bildrolle, Grillenkäfig oder Zierkachel: Architektur und Ausstattung des Hauses erzählen von der Arbeitsweise des Gelehrten, von Inspiration, Kalligraphie und Drucktechnik. Das Gelehrtenhaus war ein Publikumsmagnet auf der internationalen Ausstellung. Es spiegelt die kulturelle Neugier und die Lebhaftigkeit des internationalen Kulturtransfers am Anfang 20. Jahrhunderts.

Auf der am Vorabend des Ersten Weltkrieges im Mai 1914 eröffneten Weltausstellung, deren internationaler Weitblick noch heute überrascht, stellten 22 Nationen auf mehr als 400.000 qm ihre Produkte aus. 2.3 Millionen Besucher*innen kamen auf die Leipziger Messe, um zahlreiche Nationenpavillons, Industrieausstellungen und den Vergnügungspark zu besuchen. Die von dem Universalhistoriker Karl Lamprecht konzipierte „Halle der Kultur“, das intellektuelle Zentrum der Bugra, gab einen Einblick in die Schrifttraditionen ferner Weltgegenden. Innerhalb dieser Halle nahm das Chinesische Gelehrtenhaus eine besondere Rolle ein: Als Kulturimport aus China ist das Holzhaus ein Beispiel für die Begeisterung der Europäer für die asiatische Kultur, die bereits im 19. Jahrhundert einen großen Einfluss auf die Kulturschaffenden hatte.

Für das Deutsche Buch- und Schriftmuseum als wissenschaftliche Dokumentationsstätte für die Buch- und Mediengeschichte ist die chinesische Schriftkultur auch heute noch Gegenstand von Sammlung und Erforschung. Als Pars pro toto für das Interesse des Museums an asiatischer Kultur wird daher am Ende der Ausstellung die neueste Erwerbung im Bereich Sinica präsentiert: die chinesische Schreibmaschine „Double Pigeon“, die nicht zuletzt durch die Anzahl von mehreren tausend Metalllettern die Komplexität der chinesischen Schriftpraxis zeigt. Die Schreibmaschine war im Wintersemester 2019/20 Gegenstand eines Kooperationsseminars mit dem Institut für Sinologie der Universität Leipzig unter Leitung von Frau Professor Elisabeth Kaske.

Die Ausstellung wurde mit Unterstützung des Ostasiatischen Instituts der Universität Leipzig und des Konfuzius-Instituts; im Rahmen des dezentralen Ausstellungsprojektes „China in Leipzig“ in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Leipzig, dem Museum für Druckkunst und dem Grassi-Museum für Völkerkunde realisiert. Einen gemeinsamen Katalog zu den vier Ausstellungen unter dem Titel „China in Leipzig“ gibt die Universitätsbibliothek Leipzig heraus.

 

„Grillenkäfig und Wasserpfeife: Das chinesische Gelehrtenhaus – Kulturexport um 1900 “

Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

4. März bis 15. September 2020. Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–20 Uhr, Feiertage (außer montags) 10–18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Übrigens: Seit dem 1. März 2020 ist die Benutzung der Deutschen Nationalbibliothek im Rahmen einer zweijährigen Pilotphase kostenfrei. Um die Lesesäle und die Medienausleihe nutzen zu können, ist eine Anmeldung und Registrierung weiterhin erforderlich. Bei einer Neuanmeldung oder Ausweisverlängerung erhalten Sie eine kostenfreie Jahreskarte ausgestellt, Monats- und Tageskarten entfallen.

 

Hier finden Sie mehr Informationen zum Deutschen Buch- und Schriftmuseum.

Über die DNB und der Dauer der Corona-bedingten Schließung können Sie sich hier erkundigen.

Chinesischen Gelehrtentum als Faszinosum für die Europäer? Da mussten wir gleich wieder an unsere eigene Ausstellung im MoneyMuseum denken!