„Bibliothek der Bäume“ im Museum Wiesbaden

Studienobjekte aus verschiedenen Hölzern. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert.

Hölzer üben einen besonderen Reiz aus. Ihre Düfte, die Vielfalt an Farben und auffälligen Maserungen, die Strukturen ihrer Oberfläche lassen sich mit allen Sinnen ergründen. Wie groß die Vielfalt von Holz ist, zeigt das Museum Wiesbaden in der Studienausstellung Bibliothek der Bäume vom 5. Juni bis 1. November 2020. Über 240 Holzarten in der Größe und Form von Büchern sind hier zu sehen. Diese Holzbibliothek haben Marion und Karlheinz Miarka nach historischem Vorbild aus heimischen und eingeführten Hölzern angefertigt.

Blick in den Studienraum und die Bibliothek der Bäume Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert.

Das Museum Wiesbaden präsentiert über 240 verschiedene heimische und eingeführte Baumarten als Bücher. Ob Ahorn, Buche, Eiche oder Tulpenbaum, Oleander und Schwarznuss – Marion und Karlheinz Miarka haben aus ihnen Studienobjekte angefertigt. Die Rinde bilden die Buchrücken, das Holz die Buchdeckel und im Inneren befinden sich Ästchen, Blätter, Knospen, Blüten oder Früchte des jeweiligen Baumes. Wie unterschiedlich sich Holz und Rinde anfühlen können, wie sie riechen und wie abwechslungsreich ihre Strukturen und Mustern anzuschauen sind, lässt sich an zahlreichen weiteren Holzobjekten studieren.

Drei von 240 Holzbüchern aus der Bibliothek der Bäume. Die Rinde bildet den Rücken. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert.

„Eine der schönsten Präsentationsformen für Naturobjekte entsprang dem Geist der Aufklärung. Mit dem Bedürfnis des 18. Jahrhunderts, die Natur zu studieren, die Welt in Sammlungen systematisch zu erfassen und sie zur Schau zu stellen, entstanden auch Sammlungen von Hölzern, Xylotheken. Heute geht es mit der Präsentation attraktiver Schauobjekte eher darum, eine Sensibilität für die Vielfalt der Natur und deren Schutzwürdigkeit zu schaffen. Dem Team der Naturhistorischen Abteilung ist es mit dieser Ausstellung wieder einmal gelungen, einen sinnlichen Fokus auf das Thema Biodiversität zu richten und sie erweitert damit vortrefflich die Dauerausstellung Ästhetik der Natur“, merkt Direktor Dr. Andreas Henning an.

Blick in die Vitrinen, jedes Holzbuch ist wie ein Kästchen gebaut und enthält Samen und Früchte, Blätter und Ästchen. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Marion und Karlheinz Miarka haben nach historischen Vorbildern in den vergangenen 13 Jahren das Holz von 240 heimischen und exotischen Bäumen in Bücher verwandelt und die Sammlung wächst noch weiter. Wenn man bedenkt, dass von 25.000 Holzarten etwa 600 bis 800 Arten regelmäßig gehandelt werden, kann ihre Sammlung noch beträchtlich wachsen. Doch gehen die Waldpädagogin und der Forstwirt bei der Holzauswahl nachhaltig vor – kein Baum wird dafür extra gefällt. Holz tropischer Arten stammt von alten Paletten. Aus Gärten bekommen sie Bäume, die gefällt werden müssen; aus deutschen oder auch italienischen Gärtnereien erreichen sie schiefgewachsene und unverkäufliche Exemplare. Auch botanische Gärten geben Material nach dem Holzschnitt weiter. Die Leidenschaft der Miarkas wurde 2007 durch einen Zeitungsartikel über historische Xylotheken ausgelöst. Da die nah zu ihrem Wohnort auf der Schwäbischen Alb gelegene historische Sammlung des Kloster Neresheim nicht zu besichtigen war, versprach der Forstwirt seiner Frau, eine Xylothek zu bauen. Eine Traubeneiche machte den Anfang zur ihrer Bibliothek der Bäume.

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Die Ausstellung ist von 5. Juni bis 1. November 2020 zu sehen. Zur Studienausstellung erscheint ein gleichnamiger Katalog (Hg. Museum Wiesbaden, 2020, ISBN 978–3–89258–131–4, Preis: 8 Euro).

Informationen zu den Öffnungszeiten und Eintrittspreisen des Museums finden Sie auf der Webseite des Museums Wiesbaden. Dort finden Sie außerdem Näheres zu Ausstellung und Bilder.

Auf Youtube können Sie sich einen Beitrag der SWR Landesschau über die Xylothek der Miarkas vom 2. Januar 2015 ansehen.