Ausstellung: SLUB Dresden zeigt „Blühende Bücher“

Während in der Natur noch Winterruhe herrscht, blüht und grünt es in der SLUB (Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) bereits jetzt: Ab 27. Januar sind in der Schatzkammer des Buchmuseums rund 30 Kräuter- und Blumenbücher vom 15. bis zum 19. Jahrhundert ausgestellt.

Zu sehen sind unter anderem eine illustrierte französische Sammelhandschrift aus der Zeit um 1480, zwei Inkunabeln, das für den sächsischen Kurfürsten August geschaffene Kräuterbuch des Torgauer Stadtarztes Johannes Kentmann, die Kräuterbücher der drei „Väter der Botanik“ Otto Brunfels, Leonhart Fuchs und Hieronymus Bock aus dem 16. Jahrhundert, großformatige Tafelwerke mit Darstellungen exotischer Pflanzen und Früchte sowie ein Band der sogenannten „Pillnitzer Centurien“ mit meisterhaften kolorierten Handzeichungen von Pflanzen, die großenteils im Garten und in den Gewächshäusern des Pillnitzer Schlosses gediehen.

Die aufgeschlagenen Zeichnungen, Malereien, Holzschnitte, Kupferstiche und Lithographien zeigen die Entwicklung der botanischen Illustration, die zugleich die Geschichte der Botanik spiegelt.

Hier folgen beispielhaft einige Bücher aus der Ausstellung:

Französisches Herbarium. Handschrift auf Papier. – Frankreich, zwischen 1475 und 1480. Signatur: Mscr.Dresd.Oc.62, Bl. 183r-204r. Bl. 192v/193r: Skabiose.

Französisches Herbarium (1475-1480)

Französisches Herbarium. Handschrift auf Papier. – Frankreich, zwischen 1475 und 1480. Signatur: Mscr.Dresd.Oc.62, Bl. 183r-204r.

Provenienz: Wilhelm Scheiffart von Merode, Herr von Limbricht und Hemmersbach im Rheinland (gest. 1510); Adelsfamilie von Arenberg; Heinrich Graf von Brühl (1700–1763), dessen Bibliothek 1768 für die Kurfürstliche Bibliothek zu Dresden angekauft wurde

Das anonyme französische Herbarium besteht aus 22 ganzseitigen kolorierten Federzeichnungen von Arzneipflanzen und Beschreibungen der medizinischen Wirkungen der daraus gewonnenen Destillate. Es ist Teil einer Sammelhandschrift, die vorwiegend moralisch-didaktische Texte enthält, wie etwa den zweiten Teil des allegorischen Werkes »Le livre du roi Modus et de la reine Ratio« von Henri de Ferrières über die Laster und das Unglück zur Zeit Karls V. von Frankreich (1364–1380) mit 30 Federzeichnungen und die »Enseignements moraux« (moralische Unterweisungen) von Christine de Pisan (1364–nach 1429). 1945 erlitt die Handschrift bei der Zerstörung des Japanischen Palais, dem damaligen Sitz der Sächsischen Landesbibliothek, einen schweren Wasserschaden, wodurch Tinte und Farben verblassten.

Johannes Kentmann: Kreutterbuch. Handschrift auf Papier. – Torgau, 1563. Signatur: Mscr.Dresd.B.71 Bl. 171v: Malven.

Johannes Kentmann (1563)

Johannes Kentmann: Kreutterbuch. Von sechshundert schonen auserlesenen hielendischenn, und fremden Gewechsen, Beumen, Stauden, Hecken, und Kreuttern, so mit iren blumen samen blettern und wortzelen Auff befelich … Augusti hertzogen tzu sachssen, … Churfurst …, auff das Vleisigiste, und eigentlichste conterfet. vnd tzusammen bracht …

Handschrift auf Papier. – Torgau, 1563. Signatur: Mscr.Dresd.B.71

Provenienz: Als Nr. 1 unter den Kräuter- und Arzneibüchern im ersten Katalog der Kurfürstlichen Bibliothek (1574) verzeichnet

Der Arzt Johannes Kentmann (1518–1574) war nach seinen Studien in Leipzig und Wittenberg, Padua und Bologna ab 1550 als Stadtarzt in Meißen und seit 1554 in Torgau tätig. Sein handschriftliches Kräuterbuch widmete er Kurfürst August von Sachsen (1526–1586), dessen Gemahlin Anna, Prinzessin von Dänemark, sich besonders für botanische und pharmazeutische Bücher interessierte. In dem 300 Blätter starken Band sind 600 Pflanzen überwiegend mitteleuropäischen und knapp ein Drittel mediterranen Ursprungs abgebildet; manche Gewächse stammen sogar aus der Neuen Welt sowie aus tropischen und subtropischen Gebieten. Die meisterhaften Pflanzendarstellungen in Eitemperafarben schuf der spätere Stettiner Hofmaler David Redtel (gest. 1591) nach kolorierten Zeichnungen, die Kentmann während seines Italienaufenthaltes angefertigt hatte (sog. Codex Kentmanus, heute in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Weimar).

Hendrik van Reede tot Drakenstein: Hortus Indicus Malabaricus, Continens Regni Malabarici apud Indos celeberrimi omnis generis plantas rariores / [3]. – Amstelodami: van Someren [u.a.], 1682. Signatur: Botan.297-3. Taf. 52.

Hendrik van Reede tot Drakenstein (1678–1703)

Hortus Indicus Malabaricus, Continens Regni Malabarici apud Indos celeberrimi omnis generis plantas rariores : Latinis, Malabaricis, Arabicis, & Bramanum Characteribus nominibusque expressas, …

12 Bde. – Amsterdam: van Someren [u.a.], 1678–1703. Signatur: Botan.298

Provenienz: Unbekannt; 1715 neu gebunden und mit dem Supralibros für Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (zugleich König August II. von Polen) versehen.

Als holländischer Gouverneur der südwestindischen Küstenregion Malabar von der tropischen und subtropischen Vegetation fasziniert, ließ van Reede tot Drakestein (um 1636–1691) von einheimischen Ärzten und Botanikern eine große Pflanzensammlung zusammentragen, zeichnen und in einem umfangreichen Werk mit 794 Kupfertafeln und mit Beschreibungen von dem Missionar Johann Caesarius (1642–1677) und zahlreichen weiteren Autoren veröffentlichen. Den Abbildungen sind jeweils der lateinische, der malabarische, der arabische und der sanskritische Name beigegeben.

Pierre-Joseph Buc’hoz: Nouveau traité physique et économique, par forme de dissertations de toutes les plantes qui croissent sur la surface du globe. – Bd. 1. – Paris, 1787. Signatur: Botan.23-1. Kakao.

Pierre-Joseph Buc’hoz (1787–1794)

Nouveau traité physique et économique par forme de dissertations de toutes les plantes qui croissent sur la surface du globe …

4 Bde. – 2. éd. revue, corrigée, augmentée. – Paris, 1787–1794. Signatur: Botan.23-1

Provenienz: Unbekannt; erstmals verzeichnet als Nachtrag im Bibliothekskatalog von 1784

Der aus Metz stammende Mediziner Dr. Buc’hoz (1731–1807), zeitweilig königlich-polnischer Leibarzt und als Demonstrator am Collège royal de médecine in Nancy tätig, veröffentlichte mehr als 300 naturwissenschaftliche Werke, ein Drittel davon im Folioformat mit zahlreichen Kupfertafeln, die er aus Zuwendungen der französischen Königsfamilie finanzierte. Der ausgestellte Band gehört zu einer durchgesehenen, verbesserten und erweiterten Neuauflage von Buc’hoz’ »Histoire universelle du règne végétal«, die wiederum einen Teil seiner unvollendeten »Histoire générale et économique des trois règnes de la nature« bildet. Das Werk besteht aus aneinandergereihten Abhandlungen über einzelne fremdländische Nutzpflanzen, darunter die Genussmittel Tabak, Kakao, Kaffee und Tee.

 

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Die Ausstellung ist bis zum 23.04.2020 in der Schatzkammer des Buchmuseums der SLUB zu sehen. Informationen zu allen Büchern der Ausstellung und Links zu Digitalisaten finden Sie auf der Seite der SLUB. Dort finden Sie auch Öffnungszeiten sowie Vortrags- und Führungstermine.